AMD-Studentin entwirft Kleid für Seiden-Ausstellung

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld zeigt in Kooperation mit der Akademie Mode und Design (AMD) zurzeit die Zusatzausstellung „Silk Now!".

Erstmals haben Studierende der Düsseldorfer Hochschule ein großes interdisziplinäres Projekt entwickelt und umgesetzt. Im Museumsfoyer präsentieren sie bis zum 11. September die kreative Vielfalt des europäischen Textildesigns und Entwürfe zum zeitgemäßen Modedesign, zeigen Filmbeiträge mit Protagonisten der Seidenproduktion und fragen nach dem Fortbestand der Krefelder Seidentradition. Die Studentin Feride Keles hat für die Ausstellung ein raffiniertes Kleid zum Thema „Freiheit" entworfen.

Die 20-Jährige aus Wanne-Eickel studiert erst im zweiten Semester Mode und Design.„Eleutheromania" so hat Feride Keles ihren Entwurf und das komplexe, weitreichende Ideen- und Konzeptkonstrukt dahinter betitelt. Das griechische Wort „eleuthería" bedeutet „Freiheit" in Kombination mit „mania" drückt es einen Drang, eine Obsession nach Freiheit aus. „Ich dachte, das ist perfekt", so die Studentin. Sehr engagiert und kenntnisreich schildert sie ihre Recherche und Schlussfolgerungen. Ihre ausgehenden Überlegungen reichen bis ins 18. und 19. Jahrhundert zurück, in dem die Frauen ganz normal noch Korsett getragen haben. „Es war sehr eng und einschränkend", so die 20-Jährige. Das Tragen eines Korsetts führte auch zu gesundheitlichen Beschwerden und der ein oder anderen Ohnmacht. Eine solche Situation findet sich auch in ihrem „Mood-Board", einer Art Collage aus Stimmungen und Gedanken zu dem Thema, das sie zur Vorbereitung und weiteren Arbeit anfertigte.

Außerdem sind selbstbewusste Frauen zu sehen, die wissen, was sie tragen möchten. Die Szene verortete sie auf den Mond, weil die Frauen nicht von dieser Welt seien. Dem einengenden Korsett setzt sie in ihrem Konzept das sogenannten „Reformkleid" gegenüber: Diese Art der Bekleidung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus gesundheitlichen oder emanzipatorischen Gründen bevorzugt, zumal es auch mehr Bewegungsfreiheit ermöglichte. „Das war eine große Veränderung", betont die AMD-Studentin. Keles' erste Entwürfe entstanden zwischen dem historischen Vorbild des Reformkleids und einer modernen Interpretation. Aus Nessel - einem naturfarbenen Baumwollgewebe - fertigte sie zur Anschauung und Probe unterschiedliche Bestandteile wie beispielsweise Kräusel an. Deren Zwiebelschichtung solle an die vielschichtige Persönlichkeit von Frauen erinnern.

Im nächsten Schritt schneiderte Keles ihr Kleid aus kostbarer Seide in Braun- und Grautönen. Obwohl sie mehrere Farbkombinationen als Zeichnung ausprobierte, entschied sie sich für diese Variante, auch weil das Braun in Bezug zu der Verunglimpfung des Reformkleides als „Sack" stehe.

Der Clou ihres Entwurfs eröffnet sich jedoch erst von hinten: ein auffallender Rückenausschnitt, den sogenannte „cut-out". Gleiches gilt für die Beinpartie: vorne geschlossen, hinten ab Kniehöhe offen. Die Ärmel sind weit und transparent, bieten so eine große Bewegungsfreiheit. Während des Semesters hatte sie nur vier Monate Zeit. Einzelheiten wurden immer wieder mit den Dozenten, aber auch mal mit den Kommilitonen besprochen. Jeder strenge sich jedoch letztlich für seine Aufgabe an, so Keles. Nächte lang habe sie an allem gearbeitet. „Das war sehr eng. Ich war echt froh, als es vollbracht war", lacht die Studentin. Denn sie wollte - wie ihre Kommilitonen - durch eine außergewöhnliche Leistung einen der wenigen Ausstellungsplätze im Museum erhalten. Das sei eine große Motivation gewesen und nun eine große Ehre, da ihr Kleid im Deutschen Textilmuseum Krefeld präsentiert wird. „Ich mag die Ideen der AMD und schätze das Junge und die Frische an den Entwürfen der Studierenden", freut sich Museumsleiterin Dr. Annette Schieck über das aufsehenerregende Ergebnis, das nun im Foyer zu besichtigen ist.

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld am Andreasmarkt 8 gehört zu den international wichtigsten Sammlungen mit historisch kostbaren Textilien und Bekleidung. Die Sammlung umfasst heute fast 30.000 Objekten aus allen Teilen der Welt von der Antike bis zur Gegenwart.

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