Ihrer Zeit voraus: Ausstellung mit Krefelder Künstlern in Neuss

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte in Krefeld eine künstlerische Aufbruchstimmung.

In deren Zentrum standen das Kaiser-Wilhelm-Museum und die Kunstgewerbeschule. Beide Institutionen öffneten sich für Impulse aus der Kunstszene und beschritten einen neuen Weg. Auch in Neuss, Hagen und Düsseldorf konzentrierten sich Künstler und Mäzene, die diesen Aufbruch in die Moderne wagten. „Ihrer Zeit voraus! - Johan Thorn Prikker, Heinrich Campendonk und Heinrich Nauen" heißt die aktuelle Ausstellung im Neusser Clemens-Sels-Museum, die sich diesem avantgardistischen Denken und Handeln widmet. Im Mittelpunkt steht das mit Krefeld eng verbundenen Künstlertrio. „In ihrem Bestreben, eine Synthese von Kunst und Kunsthandwerk zu erreichen, nahmen die drei Künstler bereits einen wichtigen Gedanken des späteren Bauhauses vorweg", so Uta Huismeier-Schirlitz, Direktorin des Clemens-Sels-Museums.

Im Haus am Obertor werden rund 180 Exponate gezeigt: Gemälde, Glasbilder, Zeichnungen, Möbel, Textilien, Teppiche, Stoffe, Mosaike, Entwürfe und Vorlagen. Die Besucher erhalten so einen umfangreichen Einblick in das Gesamtwerk von Johan Thorn Prikker (1868-1932), Heinrich Campendonk (1889-1957) und Heinrich Nauen (1880-1940). Zu sehen sind zahlreiche Werke aus dem Bestand des Clemens-Sels-Museums, Leihgaben der Kunstmuseen Krefeld, dem Museum Abteiberg Mönchengladbach und anderer Museen. Nicht wenige Arbeiten, die Besucher vielleicht erst in mehreren Jahren wieder sehen können - wenn überhaupt - stammen aus Privatbesitz. Exemplarisch stehen dafür zwei Objekte der angewandten Kunst von Campendonk: Ein mit Tiermotiven bemalter Deckel einer verloren gegangenen Schale (1913-1915) sowie die sogenannte Ostereier-Kette (1913-1915), einer Kordel mit Holzperlen im Wechsel mit Holzscheiben und bemalten Buchenholz-Eiern. Welchen Stellenwert Campendonk der angewandten Kunst zurechnete, mag an dem gemeinsamen Bestreben um 1912 mit August Macke abzulesen sein, eine entsprechende Akademie in Köln zu gründen. „Ich glaube, dass viele unserer Künstler bald die Malerei verlassen werden und sich wieder dem Kunstgewerbe zuwenden", schrieb Campendonk. Die Vereinigung von Kunst und Handwerk scheiterte zwar letztlich aus finanziellen Gründen. Mit ihrer Akademie-Idee waren sie aber der Bauhaus-Gründung voraus.Die Wege der drei Künstler trafen sich in Krefeld, das freundschaftliche Band zwischen ihnen sollte zu ihren Lebzeiten nicht mehr abrechen. Während ihrer gemeinsamen Zeit in Krefeld und darüber hinaus förderte sie ein Kreis aus Kunstmäzenen, Museumsdirektoren, Galeristen und Kunstkritikern. Sie kauften Werke an, sorgten für Anstellungen oder Aufträge. Der erste Krefelder Museumsdirektor Friedrich Deneken (1857 bis 1927) schlug 1904 Prikker als Leiter der Malklasse der Krefelder Kunstgewerbeschule vor, an der er von 1904 bis 1910 unterrichtete. Während dieser sechs Jahre zählte unter anderem Campendonk zu seinen Schülern. Prikker wurde zwischen 1905 und 1908 für Heinrich Campendonk zum wichtigsten Förderer und Lehrer. „Thorn Prikker bringt mir viel", hielt sein Schüler kurz und prägnant fest.

Prikker wohnte am Stadtwald

Die Kontakte beschränkten sich nicht auf den Unterricht. Prikkers Künstlerhaus am Stadtwald stand für seine Schüler immer offen und dieses Angebot nutzten sie rege. Campendonk wohnte und arbeitete derweil mit seinen Kommilitonen Helmuth Macke und Walter Giskes zwischen der Innenstadt und dem heutigen Stadtteil Traar in einem Haus an der Moerser Straße. Dort hielten sie in ihren Bildern die Obstgärten und Gemüsefelder fest. Eine dieser Arbeiten „Garten an der Moerserstraße" wird im Clemens-Sels-Museum gezeigt. „Mit Nauen unterhalte ich mich immer über Farbe", berichtet Campendonk, der wie der einige Jahre ältere Heinrich Nauen in Krefeld geboren wurde. Nauens großes Vorbild war van Gogh. Im Clemens-Sels-Museum können Besucher das eindrucksvoll an den Gemälden „Ernte" (1909) und „Steinbruch bei Visé" (1905) nachvollziehen.

Ausstellung endet am 10. März

„Insgesamt lassen sich im Schaffen Nauens nur vereinzelt kunstgewerbliche Stücke finden, die nur selten fotografisch dokumentiert sind und deren Verbleib in der Regel unbekannt ist", so Co-Kuratorin Bettina Zeman. Für seine Wohnung auf Schloss Dilborn bei Brüggen ließ er wohl beim Krefelder Schreiner Jakob Erkelenz mehrfach Möbel anfertigen. Doch das gestaltete sich anscheinend schwierig, wie er 1911 in einem Brief festhielt: „Der liebe Gott ist mit dem Jüngsten Gericht schneller fertig, als ich mit der Einrichtung meiner Wohnung." Bei derselben Schreinerei ließ auch Campendonk arbeiten. Aus dieser Werkstatt stammen die von Campendonk bemalten Möbel, die einst das Büro Richard Merländers in seiner Villa an der Friedrich-Ebert-Straße zierten - zwei Möbelstücke sind nun auch in Neuss zu sehen. Die Ausstellung endet am 10. März.

Foto: Kunstmuseen Krefeld

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