Größter Ankauf der Nachkriegszeit: Krefeld erwirbt 100 Delauny-Werke

Die Kunstmuseen Krefeld haben 100 Werke der Künstlerin Sonia Delaunay erworben - ihr größter Ankauf in der Nachkriegszeit.

Bei den Bildern aus den 1920er- und 1930er-Jahren handelt es sich um Papierarbeiten, die bislang in Privatbesitz waren und deshalb nie umfangreich ausgestellt wurden. Der Kaufpreis liegt bei 650 000 Euro. Etwa zwei Drittel der Summe haben das Land Nordrhein-Westfalen und die Kulturstiftung der Länder beigesteuert, der Rest stammt aus städtischen Eigenmitteln und von zwei Privatspendern aus der Krefelder Bürgerschaft.

Die 100 Werke bilden das deutschlandweit größte Konvolut der russisch-französischen Malerin, die 1885 in der heutigen Ukraine geboren wurde und 1979 in Paris starb.Für Oberbürgermeister Frank Meyer ist der Ankauf ein „deutliches Signal" nach außen: „Der Erwerb dieses einzigartigen Konvoluts unterstreicht die überregionale Bedeutung der Kunstmuseen Krefeld, insbesondere im Bereich der modernen Kunst sowie an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kunsthandwerk. Ebenso wichtig ist der Ankauf für Krefeld selbst: Die Werke von Sonia Delaunay passen aufgrund ihrer engen Verbindung zur Textilgeschichte perfekt zu unserer Stadt", erklärte Frank Meyer am Donnerstag im Kaiser-Wilhelm-Museum.Bei dem erworbenen Konvolut handelt es sich um eine Sammlung von gezeichneten Textilentwürfen, die ursprünglich vom Seidenhersteller Robert Perrier erworben wurden. Die Spanne der Zeichnungen wie auch ihr Ausdrucksreichtum reichen von der raschen Skizze bis zum ausgearbeiteten, autonomen Blatt, von üppigen floralen und ornamentalen Formen über poetische Abstraktion bis hin zu geometrischer Strenge. Ergänzend erhalten die Kunstmuseen Krefeld ein Textil-Musterbuch des Unternehmens Bradford & Perrier mit ca. 900 Stoffmustern aus den Jahren von 1920 bis 1941. Die Werke stammen direkt aus dem Familienbesitz Perrier. Die Privatsammlerin Françoise Knabe hatte mit Marie-Jacques Perrier, der Tochter von Robert Perrier, von 1993 bis zu deren Tod 2012 zusammengearbeitet. Sie hat die Zeichnungen im Laufe dieser Jahre für ihre Sammlung erworben.Isabell Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, hat noch in ihrer Zeit als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder von dem geplanten Ankauf erfahren und das Vorhaben unterstützt. „Das Kaiser-Wilhelm-Museum in der ehemaligen Seidenstadt Krefeld widmete sich dem Wechselspiel zwischen Kunst und Kunstgewerbe, zwischen künstlerischer Gestaltung und handwerklicher Produktion. Diese Idee wird hier in Krefeld besonders in den Werken von Johan Thorn Prikker und Henry van de Velde veranschaulicht und nun durch das schöne Konvolut von Sonia Delaunay ergänzt. Damit wird der Bestand abstrakter Kunst der Klassischen Moderne der Kunstmuseen Krefeld bedeutend erweitert", erklärte die Ministerin.Weitere Hilfe beim Ankauf kam von der Kulturstiftung der Länder, deren Generalsekretär Prof. Dr. Markus Hilgert ebenfalls die Bedeutung der Sammlung herausstellt: „Die Arbeiten der französischen Künstlerin wirkten über die Pariser Kulturszene hinaus bis in die deutsche Kunstwelt. Mit dem Erwerb ihrer Entwürfe stärken die Kunstmuseen Krefeld nun ihr Sammlungsprofil nationalen Ranges, wie es vom ersten Museumsdirektor Friedrich Deneken intendiert war: als Dialog von freier und angewandter Kunst, von innovativem Design und künstlerischer Avantgarde." Tatsächlich war es Gründungsdirektor Deneken, der dem Kaiser-Wilhelm-Museum seinerzeit diese Ausrichtung gab. In der Nachkriegszeit setzten seine Nachfolger Paul Wember, Gerhard Storck und Martin Hentschel verstärkt auf zeitgenössische Kunst. Katia Baudin, die seit 2016 die Kunstmuseen leitet, knüpft in ihrer Konzeption nun wieder an deren Anfangszeiten an.Katia Baudin sieht zahlreiche historischen Verbindungen zwischen den Arbeiten von Sonia Delaunay und der Geschichte der Kunstmuseen und der Stadt Krefeld. Sie verwies am Donnerstag sowohl auf die Zusammenarbeit der Verseidag mit bekannten Künstlern als auch auf die historisch gewachsene, enge Verknüpfung zwischen den Kunstmuseen und der französischen Kunstszene. Diese schlägt sich zum Beispiel in dem Bild „Parlamentsgebäude" von Claude Monet nieder, eine der wichtigsten frühen Erwerbungen des Krefelder Museums.

Auch Yves Klein hatte zu Lebzeiten seine einzige museale Einzelausstellung in Krefeld: Noch heute zeugt der Raum der Leere („Le vide") im Haus Lange von dieser Zusammenarbeit. Die Museumsleiterin kündigte an, die Arbeiten von Sonia Delaunay in unterschiedlichen Kontexten präsentieren zu wollen, und zwar schon bei der nächsten Sammlungspräsentation ab Juni sowie in der Ausstellung „Folklore & Avantgarde" ab November. Es soll auch ein Forschungsprojekt und eine wissenschaftliche Publikation zu dem Thema geben.Sowohl Oberbürgermeister Frank Meyer als auch die Ministerin würdigten den persönlichen und materiellen Einsatz der privaten Spender beim Ankauf des Konvoluts. „Das Kaiser-Wilhelm-Museum ist kein Haus, das von irgendeiner Obrigkeit an den Westwall gesetzt wurde. Es ist durch gelebtes bürgerschaftliches Engagement entstanden - und in dieser langen Tradition steht auch der Ankauf", erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer. Der Unternehmer Jan Kleinewefers begründete sein Engagement mit der guten Entwicklung der Kunstmuseen in den vergangenen Jahren: „Der Ankauf ist echter Paukenschlag in einer Zeit, in der im Museum viel Gutes entsteht." Auch der andere Spender Christoph Tölke sprach von einer „Renaissance" des Kaiser-Wilhelm-Museums: „Dieses Konvolut nach Krefeld zu holen, ist eine Ermutigung für die Museen und für Krefeld."

"Feines Gespür für die Belange ihrer Zeit und der Zeit voraus."

Die Privatsammlerin Françoise Knabe, die zur offiziellen Übergabe der Bilder ebenfalls nach Krefeld gereist war, betonte, sie wisse die Sammlung bei der Stadt Krefeld in guten Händen. In den Jahren 1993 bis 2011 hatte sie die Arbeiten zusammengetragen und zu einer einzigartigen Kollektion verbunden. In einem kurzen Vortrag lieferte sie lebhafte Einblicke in die Entstehungszeit der Bilder: „In den 1920er-Jahren traf die Unternehmerfamilie Perrier jeden Mittwoch in der Brasserie Graff, an der Place Clichy, die Maler der Avantgarde, darunter Ihre Freunde Robert und Sonia Delaunay, Mondrian, Kandinsky. Aus diesem Schmelztiegel der Künste entsprang immer die Schöpfung für die Stoffe. Sonia Delaunay hatte nicht nur ein feines Gespür für die Belange ihrer Zeit, sondern war ihnen vielfach voraus. Sensibel für die rasanten gesellschaftlichen, künstlerischen und politischen Umbrüche und Zäsuren griff sie die Stimmungen der Zeit auf und verlieh ihnen eine künstlerische Gestalt." Dieser Schatz, geschaffen in den 1920er- und 30er-Jahren, hat nun seinen festen Platz in der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld.

Die Kunstmuseen Krefeld stellen ihren spektakulären Neuerwerb der Öffentlichkeit vor. Eine Auswahl der 100 angekauften Arbeiten von Sonia Delaunay ist am Montag, 11. Februar, 17 bis 21 Uhr im Kaiser Wilhelm Museum zu sehen. Um 19 Uhr hält der ehemalige Leiter des Sprengel-Museums Hannover, Prof. Dr. Ulrich Krempel, einen Festvortrag über die Künstlerin. Der Eintritt ist an diesem Abend frei.

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