Römischer Sensationsfund für den preußischen Kronprinzen

Die Brust des römischen Legionärs Titus Flavius Festus zieren neun silberne Orden, die ihn als „Primus Pilus", als höchstrangigen Centurio, auszeichnen.

„Wer sich in einem Kampf oder im Krieg bewährte, erhielt eine Geldprämie, die für die individuelle Anfertigung eines Ordens verwendet wurde", erklärt Krefelds Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter. Für feindliche Militärs signalisierten die Orden, lateinisch Phalerae: „Das ist ein erfahrener Soldat, mit dem legst du dich besser nicht an", so Schletter. Die Phalerae des Titus Flavius Festus sind in der archäologischen Fachwelt seit ihrer Entdeckung 1858 bei Schloss Lauersdorf nördlich von Krefeld eine Sensation.

„Es ist der einzige komplette Satz römischer Orden, der bislang gefunden worden ist", berichtet Schletter. In der Dauerausstellung des Archäologischen Museums Krefeld ist nun eine hochwertige Kopie der Orden aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt. Zudem wird die Geschichte um den Fund dargestellt - eine Korrespondenz mit dem preußischen Königshaus.An einem Novembertag machen sich Landarbeiter daran, Drainagen in einer sumpfigen Niederung anzulegen. Unweit befindet sich eine kleine Anhöhe, auf der noch römisches Mauerwerk zu erkennen ist. Mit einem Spaten stieß ein Arbeiter auf einen vermeintlichen Stein - es war jedoch ein Silberstück. Bei der überhasteten „Bergung" des Schatzes zerstörten die Arbeiter eine Bronze-Schatulle mit einem silbernen Deckel, in der sich die Orden befanden. Dr. Anton Rein, Direktor des Krefelder Realgymnasiums (heute Gymnasium am Moltkeplatz) untersuchte den Fund. Er verfasste 1851 die älteste wissenschaftliche Abhandlung über das Kastell Gelduba. Schatulle und Orden stammen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Die einzelnen Scheiben zeigen ein wohl Unheil-abwehrendes Haupt der Medusa, Jupiter Ammon, eine Verschmelzung des römischen Jupiters mit der ägyptischen Weide-Gottheit Amun, Motive und Figuren aus dem Umfeld des Gottes Bacchus sowie einen Löwenkopf. Die Punze „T Flavi Festi" nennt den Namen des Besitzers. Auf der Rückseite einiger Scheiben hat sich auch der Handwerker Medamus verewigt.Die Phalerae wurden durch ein Riemenwerk zusammengehalten, breite Gurte, die um den Oberkörper liefen. Sie sind auf zahlreichen Denkmälern nachweisbar. Ein solcher Nachweis befindet sich auch im Archäologischen Museum Krefeld. Eine hochwertige Kopie des „Grabstein des Caelius". Das Original des 1620 bei Xanten gefundenen Steins gehört heute zum Bestand des Rheinischen Landesmuseums in Bonn. Der römische Centurio M. Caelius ist auf dem Gedenkstein im vollen Schmucke seiner Orden abgebildet. Ein Centurio befehligte eine Hundertschaft einer römischen Legion oder eine vergleichbare Einheit der Hilfstruppen. „Sie bildeten das Rückgrat der Legion. Ohne sie funktionierte nichts", sagt Schletter. Im Gegensatz zu adligen Offizieren dienten Männer aus der Bürgerschaft wie Titus Flavius Festus bis zu 30 Jahren in der Armee.Das Archäologische Museum Krefeld besitzt nicht nur eine zeitgenössische Kopie des Ordenssatzes, sondern auch einen großen Teil des originalen Briefwechsels zwischen den Herrn von Rath, den damaligen Eigentümern von Schloss Lauersfort, Dr. Rein und dem Kronprinzen in Berlin, dem späteren Kaiser Wilhelm I. „Ein Teil der Korrespondenz liegt in den Berliner Museen, ein Teil bei uns", so Schletter. Die Familie von Rath schenkte dem Prinzen den fast vollständigen Schatz - eine Scheibe erhielt Dr. Rein, heute im Bestand des Rheinischen Landesmuseum Bonn. Der Kronprinz präsentierte den sensationellen Fund in seinen Privaträumen ähnlich wie es nun auch im Museum zu sehen ist. Die Großzügigkeit der Familie von Rath geschah wohl nicht ohne Kalkül, da ein Sohn der von Raths dafür eine gute berufliche Position in der Reichshauptstadt erhielt. Diese prestigeträchtige Stellung war der Familie wahrscheinlich mehr wert als die 7.000 Pfund, die das Britische Museum für den Schatz geboten hatte. Wie der Fund in die Erde kam, sei heute nicht mehr rekonstruierbar, so der Stadtarchäologe. Wegen der räumlichen Nähe zu Gelduba, könnte die Bataverschlacht im Jahr 69 Anlass gewesen, dass sich ein so hochdekorierter Centurio in dieser Gegend befand. Rund 12.000 römische Legionäre und Hilfstruppen lagerten damals am Rhein.

Das Archäologische Museum Krefeld an der Rheinbabenstraße 85 hat von 10 bis 18 Uhr, ab 1. November von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Für den Museumsbesuch gelten die aktuellen Hygiene- und Schutzbestimmungen.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation. L. Strücken

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