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Experte erforscht ostasiatischen Bestand im Deutschen Textilmuseum

Die Sammlung des Deutschen Textilmuseums Krefeld umfasst annähernd 30 000 Objekte aus aller Welt.

Sie ist neben einer Textilsammlung im französischen Lyon die bedeutendste Sammlung in Europa. Das Museumsdepot in der Samt- und Seidenstadt am Niederrhein birgt noch so manchen Schatz, der in der Forschungsreihe „Ans Licht" geborgen wird. Walter Bruno Brix widmet sich nun der erstmaligen Erforschung und umfassenden Dokumentation des ostasiatischen Bestands.

Er agiert weltweit als Experte für asiatische Textilien. „Hier ist ein atemberaubender Schatz. Es gibt so viel Spannendes zu entdecken", sagt Brix. Als freischaffender Wissenschaftler kennt er die Bestände von diversen Museen, veröffentlichte zahlreiche Publikationen und kuratiert Ausstellungen. Sein Forschungsvorhaben ist Teil der fünfjährigen Forschungsreihe „Ans Licht" des Deutschen Textilmuseums, die die Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld mit 250.000 Euro unterstützt.Vor Brix liegen Ausschnitte eines Kaisergewandes aus dem 18. Jahrhundert. Sie stammen aus der chinesischen Qing-Dynastie (1644 bis 1911). „Die Qualität ist unglaublich", schwärmt der Experte aus Köln. Die gelbe Grundfarbe des Objektes steht für dieses Herrscherhaus. Einen großen Ausschnitt ziert ein Drache mit fünf Krallen. Solche Darstellungen blieben dem Kaiser, seiner Mutter und seiner Frau vorbehalten. Unterhalb eines Drachenkopfes befindet sich eine Scheibe, die den Mond symbolisiert. Darauf stampft ein weißer Hase das Elixier der Unsterblichkeit. Zudem finden sich andere Symbole und Ornamente, die nur einem Kaiser erlaubt waren. „Das hat kein Hobbyweber, sondern Spezialisten in einer großen Werkstatt angefertigt", berichtet Brix. Nach einer 1:1-Zeichnung seien solche Gewänder gewebt worden. Für derartige feine Seidenarbeiten haben sich die Weber die Fingernägel wachsen lassen und die Nägel wie Kämme eingeschnitten, um die filigrane Seide weben zu können. Und wenn die fertige Arbeit der strengen Kontrolle der Zensoren genügte, gelangten sie letztlich an den Kaiserhof.Das Krefelder Textilmuseum kennt Brix bereits seit seiner Studienzeit. Zuletzt kuratierte er 2015 dort die Ausstellung „Kirschblüten und Haifischhaut - Textilien der Samurai und Bürger in der Edo-Zeit". Momentan arbeitet er auch für ein Museum in St. Gallen in der Schweiz und in Hamburg. In Krefeld fügt Brix zurzeit vorhandene Informationen wie den Zustand der Objekte und die Herkunft zusammen. „Das ist eine grundsätzliche Arbeit, damit es für andere begreifbar wird", so Brix. Das Kaisergewand ist eines von 2000 Objekten, die Brix inzwischen gesichtet hat. Hinter jeder Objektnummer können sich aber mehrere Textilien befinden. „Also liegt die Gesamtzahl bei über 2000", sagt der Experte. Die nun überschaubare Fülle ermöglicht eine Vielzahl von Ausstellungen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. „Wir müssen jetzt eine Auswahl treffen, die Zeit oder die Kultur", sagt Museumsleiterin Dr. Annette Schieck. Die Sammlung ostasiatischer Textilien umfasst Objekte aus Japan, China, Korea bis in den persischen Raum. Diese stammen aus der Zeit der chinesischen Han-Dynastie (206 vor bis 220 nach Christus) bis in die jüngste Vergangenheit. Ein seltenes Objekt aus dem 20. Jahrhundert ist ein koreanischer Hut aus Bambus und lackiertem Rosshaar. Diese Art der Hüte war dem Adel vorbehalten. Zum niederen Adel zählten auch Zahnärzte, einem gehörte dieser Hut, der an einem Band den deutschen Schriftzug „Koreanischen Zahnärzte Verein zu Seoul" ziert. Deutsch war damals die Fachsprache - nicht nur in Korea.Der ostasiatische Bestand des Deutschen Textilmuseums basiert zum Teil auf einer Vorbild- oder Beispielsammlung. Dafür benötigte man damals keine vollständigen Kleider, Gewänder oder andere Textilien, sondern lediglich „Ausschnitte". Dieses war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderte eine allgemeine Praxis bei Textilien. Der Krefelder Bestand ist zwar vollständig inventarisiert, einige sogar mit kurzen Beschreibungen. Aber durch den großen Bombenangriff 1943 auf Krefeld verbrannten wesentliche Dokumente über Ankäufe und damit auch über die Herkunft. „Deshalb ist es wichtig, die Bestände anderer Museen zu kennen", betont Schieck. Durch Vergleichsobjekte in anderen Häusern können so Wissenslücken über den möglichen Ankaufszeitpunkt, den Verkäufer und die Herkunft geschlossen werden. In einigen Fällen kennt Brix sogar Ausschnitte aus anderen Museen, die aus denselben Gewändern beziehungsweise Textilen stammen, die sich in der Krefelder Sammlung befinden.

Gesamtschau soll 2022 das Projekt beenden

Die Aufarbeitung der Sammlungsbestände im Deutschen Textilmuseum ermöglicht das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt „Ans Licht", das die Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld finanziert. „Durch die Förderung können wir Experten ans Haus holen und Projekte realisieren, die sonst nicht möglich wären", betont Schieck. Für „Ans Licht" werden vier textile Sammlungskomplexe aus Deutschland, Peru, Arabien und Ostasien untersucht. Neben vier Forschungs- und Ausstellungsvorhaben soll ein digitaler Auswahlkatalog erstellt werden. Eine Gesamtschau soll 2022 das Projekt beenden. „Mit dem Deutschen Textilmuseum hat Krefeld ein Juwel, das wir in den Mittelpunkt stellen möchten", sagt Lothar Birnbrich, Vorstand der Sparkassen Kulturstiftung. Mit der Schwerpunktförderung der Kulturstiftung sollen keine laufenden Projekte unterstützt werden, sondern identitätsstiftende, herausragende Projekte.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

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