Der letzte Akt: „Dystopie"-Ausstellung lädt ins Haus Esters

In Haus Lange und Esters läuft mit „Akt 3: Dystopie" die dritte und letzte Ausstellung des Projekts „Anders Wohnen", mit dem die Kunstmuseen Krefeld anlässlich des Bauhaus-Jubiläums die Häuser Lange und Esters ganzjährig bespielen.

Vier Installationen in Haus Esters sowie eine gastronomische Intervention in der Küche von Haus Lange stellen den utopischen und mobilen Wohn- und Lebensentwürfen in Haus Lange und in den Gärten dystopische Szenarien aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln gegenüber. „Die Triologie ist damit abgeschlossen. Künstler, Designer und Architekten haben sich mit dem Wohnen von gestern, heute und morgen auseinandergesetzt.

Sie waren eingeladen, ortsspezifisch zu arbeiten und sich mit den Häusern zu beschäftigen. Mit Akt3: Dystopie enden wir mit einem negativen Ansatz", sagt Katia Baudin, Direktorin der Krefelder Kunstmuseen. Banz & Bowinkel, Michal Helfman, Laura Lima, das raumlaborberlin und Slavs & Tatars haben sich im dritten Akt eingebracht und bieten Raum für Diskussionen und bedingen teilweise große Geduld. Baudin: „Mit der dritten Ausstellung schließt sich der Kreis und die utopischen Entwürfe in Haus Lange werden beantwortet und ergänzt durch die dystopischen Ansätze in Haus Esters. So entsteht ein Dialog zwischen den beiden Häusern, der aus unterschiedlichen Perspektiven die Formen des zukünftigen Wohnens thematisiert." Mit dem Eintritt in Haus Esters werden die Besucher mit dem Werk der israelischen Künstlerin Michal Helfman konfrontiert. Sie hat ein fiktives Kollektiv aus im Exil lebenden Künstlern, der „Edition of X" beauftragt, ein Werk auszuführen. Die hieraus entstandene Rauminstallation ausVideoarbeiten und Skulpturen ist eine dichte Reflexion über die Bedingungen und Möglichkeiten künstlerischer Produktion im Zustand der Heimatlosigkeit. „Sie könnten wie eine Terrorzelle von Schläfern funktionieren, die von außerhalb Anweisungen erhalten zu agieren", erklärt Helfman.Durch einen schweren Wandteppich, der als Tür funktioniert, treten die Besucher dann in das Herrenzimmer. Das Künstlerkollektiv Slavs & Tatars aus Berlin schafft dadurch, und durch die Tapete, ein pseudo-orientalistisches Ambiente, das utopische mit dystopischen Momenten buchstäblich verschränkt. Der auf der Tapete abgebildete Melonenmarktstand ist ein Zitat aus Aleksandr Rodchenkos und Varvara Stepanovas 1934 erschienenem Fotoband „Ten Years of Uzbekistan". Das Buch, als Feier des Kommunismus in Auftrag gegeben, wurde nur wenige Jahre später verboten, als Stalin zahlreiche einflussreiche uzbekische Politiker ermorden ließ. Im Zentrum des Zimmers hat das Kollektiv Bücher mit patriarchalen und frauenfeindlichen Inhalten aufgespießt, die so an einen Kebab-Spieß erinnern, eine Skulptur aus der Serie der „Kitab Kebabs".Das Künstlerduo Banz & Bowinkel hat im „Zimmer der Dame" in Haus Esters einen Teppich verlegt, auf dem ein bronzener Avatar als Untermieter wohnt. Er kann über ein Tablet beobachtet werden. Mal läuft er, mal springt er, mal legt er sich hin. Friedemann Banz: „Wir haben uns gefragt, wie der Computer die Gesellschaft verändert. Dass er sie verändert, lässt sich nicht abstreiten. Unser Privatleben ist mittlerweile das Kapital, an das Unternehmen gelangen wollen. Das muss nicht zwingend negativ sein und wir müssen die Technik nicht verteufeln, aber man muss sich damit beschäftigen." Auf dem Teppich, gewebt in der Krefelder Teppichmanufaktur Rentmeister, werfen Schatten im Stile des Suprematismus Kontraste, die wiederum vom Tablet erkannt werden.

Barcelona-Pavillon lässt grüßen

Mit einem Zitat Mies van der Rohes, das den ikonischen Charakter seiner architektonischen Setzungen unterläuft, spielt das Architektenkollektiv raumlaborberlin. Es hatte zur Eröffnung von „Anders Wohnen" im März ein flexibles Mobiliar entwickelt, das für das umfangreiche Programm genutzt wurde. Die Wand aus Hockern, ein gemaltes Zitat der berühmten Wand Mies van der Rohes im Barcelona-Pavillon, wird nun zu einem dauerhaft installierten Raumteiler, einem Störfaktor im Raumfluss. Durchaus ist gewollt, dass sich Besucher hier setzen und ein Buch lesen.

Zeitkapsel aus der Küche

Die brasilianische Künstlerin Laura Lima bittet schließlich in die historische Küche von Haus Lange. Sie lässt dort während der Laufzeit der Ausstellung aus Lebensmitteln des Hülser Steveshofs vom Caterer salt'n pepper mehrmals wöchentlich Gerichte zubereiten, die langfristig haltbar gemacht werden, anschließend licht- und luftdicht verschlossen in die Sammlung des Museums übergehen und erst zum Verzehr im Jahr 2044 bestimmt sind. Eine kulinarische Zeitkapsel also. Das Projekt Anders Wohnen richtet den Blick auf das gemeinschaftliche Leben von morgen. Bis Januar 2020 ergänzen sich nach einem präzisen Spielplan unterschiedliche Akte zu einer großen Inszenierung. Im Mai eröffnete bereits „Akt 1: Utopie" und im Juli „Akt 2: Mobilität" in den Gärten von Haus Lange Haus Esters. In den drei Ausstellungen entwerfen insgesamt 14 internationale Künstler, Designer und Architekten für die Häuser Lange und Esters Wohn- und Lebenskonzepte. Utopie, Mobilität und Dystopie geben für die neuen ortsbezogenen Arbeiten die thematische Ausrichtung vor. Zugleich verwandeln sich die Villen in ein lebendiges Dialogforum für aktive Teilnahme und Inspiration auf vielen Ebenen.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

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