Museum Burg Linn restauriert 68 Bücher aus historischem Bestand

Das Museum Burg Linn in Krefeld kann 68 Bücher und Atlanten aus dem Bestand seiner historischen Bibliothek restaurieren lassen.

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) in Berlin fördert das Museum dafür mit 25.000 Euro. Die Stadt und der Verein „Freunde der Museen Burg Linn" geben jeweils 12.500 Euro für das Projekt. „Das ist für uns eine immense Summe, wenn man bedenkt, dass wir über keinen Etat für derartige Restaurierungen verfügen", sagt Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser.

Die Bücher werden nun bundesweit in spezialisierten Restaurierungswerkstätten bearbeitet. Die beiden letzten Objekte auf der Liste gehen jetzt in eine Berliner Werkstatt. „Dabei handelt es sich um zwei Visscher-Atlanten vom Anfang des 18. Jahrhunderts", berichtet Ralf-Günter Stefan, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich um den Bestand der historischen Bibliothek kümmert.Die Verlegerfamilie Visscher fertigte im 17. und 18. Jahrhundert in Amsterdam Karten für individuell zusammengestellte Atlanten. In Nordrhein-Westfalen besitzen nur das Krefelder Museum und die Düsseldorfer Universitätsbibliothek Exemplare aus dem niederländischen Verlag. „Im Grunde handelt es sich bei jeder Karte um ein Unikat. Sie sind alle handkoloriert worden", so Stefan. In diesem Umstand liegt auch ein Großteil des Restaurierungsbedarfes. „Die Farben enthalten Metallsalze", erklärt Stefan. Diese sorgen für den sogenannten „Kupferfraß", der das Papier zerstört. Um der schadhaften Entwicklung Einhalt zu gebieten, muss jede Seite mit Japanpapier und einem speziellen Kleber stabilisiert werden. Zudem kann so die Säure im Papier weitgehend neutralisiert werden. „Allein das Japanpapier kostet für diese zwei Ausgaben rund 630 Euro", sagt Morscheiser. Neben dem „Kupferfraß" haben Gebrauchsschäden den beiden Atlanten in den vergangenen Jahrhunderten arg zu gesetzt.Die Visscher-Atlanten zählen zu dem etwa 3.500 Bände umfassenden historischen Bibliotheksbestands. Einige dieser Publikationen lassen sich weltweit nur noch in der Krefelder Museumssammlung nachweisen. Die ältesten Ausgaben, wie eine Handschrift, stammen aus dem 15. Jahrhundert. Dazu gehören auch zwei Lutherbibeln aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die bereits restauriert werden konnten. Sie stammen aus der Druckerei von Hans Lufft (um 1495 bis 1584) mit handkolorierten Holzstichen von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515 bis 1586). „Wir haben zahlreiche solcher Schätzchen, seltene und wertvolle Bücher", betont Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter.Papierzerfall und Kupferfraß, Schimmel oder mangelhafte Sicherung verursachen Schäden an alten Büchern in Archiven undBibliotheken. Die Koordinierungsstelle in Berlin engagiert sich für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts als nationales Erbe. Zur Erfüllung dieser Aufgaben stellt sie jährlich ein Budget in Höhe von 600.000 Euro zur Verfügung. Davon kommen 500.000 Euro aus dem Bundeshaushalt der Kulturstaatsministerin. Weitere 100.000 Euro stellen die Kulturstiftung der Länder zur Verfügung. Die Einrichtungen wie das Krefelder Museum müssen aber auch einen Eigenanteil von 50 Prozent leisten. „Deswegen freuen wir uns, wenn bei der weiteren Restaurierung unseres Bestandes finanziell unterstützt werden", so Dautermann.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken