Europaweit einzigartiges Textil-Forschungsprojekt in Krefeld

In dem europaweit einzigartigen Forschungsprojekt „Antiker Seidenglanz - neu erschaffen" untersuchen das Haus der Seidenkultur und das Deutsche Textilmuseum in Krefeld, wie vor rund 1600 Jahren hoch komplexe Seidengewebe gewebt wurden.

Ziel ist es, die Fertigungsweise im Experiment zu erschließen und begreifbar zu machen. Das neu erworbene Wissen wird ab dem kommenden Jahr in internationalen Workshops Restauratoren, Kuratoren und anderen Textilexperten in der Samt- und Seidenstadt vermittelt. Die Sparkassen-Kulturstiftung fördert die Entwicklungsphase mit 24.000 Euro, hinzu kommen 12.000 Euro Eigenmittel der beteiligten Einrichtungen.

Den Ausgangspunkt für die praktische Forschungsarbeit bilden Gewebeanalysen durch die Textilarchäologin Barbara Köstner an den Textilien des 4. bis 9. Jahrhunderts nach Christus aus dem Bestand des Textilmuseums. Alle Gewebe wurden im 19. Jahrhundert in Ägypten gefunden. Sie wurden in komplexen Bindungen gewebt, die gröberen in Wolle, die feineren in Seide. Köstners Erkenntnisse aus den Originalen fließen in die praktische Umsetzung ein und werden mit den Profis aus der Textilbranche, den Webern und Patroneuren des Hauses der Seidenkultur, diskutiert und in die Praxis umgesetzt. „Es gilt Handgriffe, die ich als eher aus der Theorie kommende Wissenschaftlerin nicht kenne, mit der jahrelangen Erfahrung zusammenzubringen", so Köstner. Am Ende der Forschungsarbeit sollen praktische Anleitungen darüber entwickelt werden, wie die Stoffe hergestellt wurden. Neben Erkenntnissen um die Produktionsweise erhofft sich Köstner auch Rückschlüsse auf Werkstätten, Weber und Herkunftsorte von im Museumsbestand vorhandenen Textilien ziehen zu können. Ihre Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt fließen zudem in ihre Promotion an der Universität Bonn ein.

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld gehört zu den international wichtigsten Sammlungen mit historisch kostbaren Textilien und Bekleidung. Die Sammlung umfasst heute fast 30.000 Objekte aus allen Teilen der Welt von der Antike bis zur Gegenwart. Das ehrenamtliche betriebene „Haus der Seidenkultur" präsentiert als einziges Museum in Europa an authentischer Stätte einen erhaltenen Jacquard-Handwebsaal, wo altes Textilhandwerk an acht hölzernen Webstühlen aus dem 19. Jahrhundert von ehemaligen Mitarbeitern der Textilbranche vorgeführt wird.

Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof