Deutsches Textilmuseum Krefeld erforscht präkolumbische Textilien

Katalin Nagy breitet einen Schatz aus. „Es ist eine faszinierende Sammlung", sagt die gebürtige Ungarin.

Auf einem großen Tisch in der Bibliothek des Deutschen Textilmuseums Krefeld hat sie präkolumbische Textilien ausgelegt, die zum Teil über 2500 Jahre alt sind - „einige wenige", betont die Alt-Amerikanistikerin. Rund 800 Objekte aus dem Museumsbestand wird sie für ihr Forschungsprojekt fotografieren und beschreiben. Es handelt sich vornehmlich um Stofffragmente. Sie überdauerten die Jahrhunderte auch in ihrer Farbigkeit nur, weil sie im Wüstensand konserviert wurden.

Auf welchem Weg sie im 19. Jahrhundert nach Europa gelangten, auch das versucht Nagy zu ergründen. Die Textilien stammen wohl aus Mumiengräbern, die sich entlang der rund 2000 Kilometer langen Küstenwüste am südamerikanischen Pazifik befanden.Mit der präkolumbischen Zeit wird ein Zeitraum bezeichnet, in dem die Spanier ab 1532 in Südamerika für die spanische Krone das Vizekönigreich Peru gründeten. In seiner größten Ausdehnung erstreckte es sich vom heutigen Panama bis zum äußersten Süden des Kontinents. In mindestens zwei größeren Gruppen gelangten die präkolumbischen Objekte an das heutige Museum: Etwa 150 bis 200 Stück um 1880 durch die Textilsammlung des Mannheimer Bildhauers Jakob Krauth und in den 1950er-Jahren nach einer gut halbjährigen Ankaufsreise durch Südamerika der damaligen Leiterin der Gewebesammlung, Dr. Renate Jaques. Obwohl Nagy erst am Beginn ihrer Forschung steht, kann sie eine wesentliche Feststellung schon machen: Die Präkolumbische Sammlung sei wohl auch unter dem Aspekt angelegt, möglichst das breite Spektrum an unterschiedlichen Techniken dokumentieren zu können. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit anderen unlängst erforschten Beständen, wie bei der Trachten-Sammlung Paul Prött und ostasiatischen Objekten, die innerhalb des von der Krefelder Kulturstiftung der Sparkasse finanzierten Projektes „Ans Licht" untersucht wurden. „Es ist immer wieder die Technik, die bei allen im Mittelpunkt stand", so Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums. Das sei ein wichtiger Hinweis, mit welcher Strategie die Sammlungangelegt wurde.Etwa ein Viertel bis ein Drittel des Krefelder Bestandes der Präkolumbischen Sammlung habe sie bereits intensiv anschauen können, so Nagy. Abbildungen von Tieren, rituelle Tanzszenen und mit einem Bezug zur Landwirtschaft finden sich häufig auf den Textilien. Aber immer wieder gebe es etwas Neues zu entdecken, berichtet sie, weil es sehr unterschiedliche Stücke seien. Um sich einen systematischen Überblick zu verschaffen, legt sie Tabellen nach unterschiedlichen Kriterien an. „Es ist ein langsamer Prozess", beschreibt die Wissenschaftlerin die detailreiche Arbeit. Ihre Erfahrungen und Kenntnisse als Ethnologin und Textilingenieurin kommen ihr bei der Einordung der Objekte zur Hilfe. Die Forschungsergebnisse sollen nicht nur in einer Publikation zusammengefasst werden. Für den Herbst 2021 ist eine Ausstellung im Deutschen Textilmuseum geplant, an deren Konzept zurzeit gearbeitet wird, so Schieck. Zudem soll es im Frühjahr 2021 entweder eine Tagung oder Workshops zum Thema geben.

Die Aufarbeitung der Sammlungsbestände im Deutschen Textilmuseum ermöglicht das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt „Ans Licht", das die Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld finanziert. „Durch die Förderung können wir Experten ans Haus holen und Projekte realisieren, die sonst nicht möglich wären", betont Schieck. Für „Ans Licht" werden vier textile Sammlungskomplexe aus Deutschland, Peru, Arabien und Ostasien untersucht. Neben vier Forschungs- und Ausstellungsvorhaben soll ein digitaler Auswahlkatalog erstellt werden. Eine Gesamtschau soll 2022 das Projekt beenden.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

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