Kunst und Krefeld zeigt neue Ausstellung in der Alten Post

In der jungen Bundesrepublik Deutschland zählte Werner Gilles zu den wichtigsten Vertretern der Malerei.

Den Schwerpunkt bilden Arbeiten aus der Zeit von 1947 bis 1960, von denen die meisten auf Ischia entstanden sind. Er malte Aquarelle und Ölbilder von den Küsten und Schluchten der Insel im Golf von Neapel. Daneben widmete er sich auch mythologischen Themen. „Mit zunehmenden Alter wurden seine Bilder immer abstrakter", sagt Iris Kleinheisterkamp-Shore, eine Großnichte des Künstlers.

In der Alten Post an der Steinstraße zeigt der Verein „Kunst und Krefeld" nun in der Ausstellung „Bilder aus dem Nachlass" Werke von den 1930er-bis Anfang der 1960er-Jahre. „Die Auswahl soll das Spektrum seiner Arbeit zeigen", so Petra Kleinheisterkamp-Voigt, die zweite Großnichte.„Er fühlte sich schnell eingeengt", berichtet Kleinheisterkamp-Shore über ihren Großonkel. Zeit seines Lebens sei er rastlos gewesen. Die Sehnsucht nach dem Meer und dem Licht führten ihn unter anderem in die Niederlande, Norwegen und Südfrankreich. Es war aber vor allem Italien und dort die Insel Ischia, die seine Sehnsucht nach dem Süden stillte. Werner Gilles, Jahrgang 1894, kam im niederrheinischen Rheydt (heute Mönchengladbach) zur Welt. Er studierte zuerst in Kassel, später am neuen Bauhaus in Weimar unter anderem in der Klasse von Lyonel Feininger. Dort bleib er bis 1923 und freundete sich mit Gerhard Marcks und Oskar Schlemmer an. Seine Arbeit wurde durch das Bauhaus jedoch nicht beeinflusst. Ihn in nur eine Kategorie einzuordnen, fällt schon bei den 18 Werken in der Alten Post schwer. Der rheinische Expressionismus soll ihm eine Orientierung geboten haben, was sich in der Tat in einigen Bildern wiederfinden lässt, aber auch der Konstruktivismus und Kubismus. Ob er einen Vertreter des rheinischen Expressionismus aus Krefeld, Helmuth Macke oder Heinrich Nauen, kennengelernt hat, diese Frage bleibt noch offen. Vielleicht kam es am Bodensee bei dem Kunsthistoriker Walter Kaesbach (1879-1961) zufällig zu einer Begegnung: Denn Macke, der selbst am Bodensee lebte, überzeugte den einstigen Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie an das Schwäbische Meer zu ziehen. Den besuchten dort unter anderem auch Heinrich Nauen und eben Werner Gilles.

1921 erstmals nach Italien

Bereits 1921 reiste Gilles zum ersten Mal nach Italien, 1930 erhielt er ein Stipendium für die Deutsche Akademie in der römischen Villa Massimo. Die Leidenschaft für Italien überdauerte auch den Zweiten Weltkrieg, in dem er 1944 verwundet wurde. Seine Bilder bezeichneten die Nationalsozialisten als „Entartete Kunst", die in der gleichnamigen Ausstellung 1937 gezeigt wurden. Seit der Nachkriegszeit kehrte Gilles jedes Jahr im Sommer für mehrere Monate auf die Insel Ischia zurück, im Winter wohnte er in München. „Er lebte sehr, sehr einfach - ohne große Bedürfnisse", sagt Kleinheisterkamp-Shore. Seine Existenz bestritt er bescheiden vom Verkauf seiner Werke und von Zuwendungen seiner Künstlerfreunde und Mäzene. Die Annahme einer Lehrtätigkeit hat er immer abgelehnt.

Nach seinem Tod 1961 verwaltete zunächst ein Freund den Nachlass, seit dem Ende der 1970er-Jahre sein Neffe das Gesamtwerk, später die beiden Großnichten aus Krefeld. Werner Gilles erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen unter anderem 1954 den großen Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen. Seine Arbeit ist mit Werken in diversen Museen vertreten wie in Köln, Essen, Bremen, Berlin, Wuppertal und Hamburg. Die Ausstellung in der Alten Post endet am 30. Juli.