Sozialer Arbeitsmarkt: Programme helfen gegen Arbeitslosigkeit

Die Folgen der Corona-Krise machen sich auf dem Krefelder Arbeitsmarkt bemerkbar: Im Vergleich zum Juni des Vorjahres ist die Zahl der Arbeitslosen um 16 Prozent gestiegen: 11,6 Prozent der Krefelder (14.237 Personen) sind aktuell arbeitslos, deutschlandweit sind es 6,2 Prozent, NRW-weit 7,9 Prozent.

„Auch, wenn die Stadt Krefeld als Kommune nicht direkt für den Arbeitsmarkt zuständig ist, spüren wir natürlich eine Verantwortung für knapp 250.000 Bürgerinnen und Bürger. Mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter arbeiten wir sehr gut zusammen", sagt Oberbürgermeister Frank Meyer, dem auch die Frauenerwerbsquote am Herzen liegt. Diese sei in Krefeld deutlich geringer als in anderen Städten.

Ein großes Problem sind die rund 6.000 Langzeitarbeitslosen, die es aus verschiedenen Gründen schwer haben, den Schritt zurück auf den Arbeitsmarkt zu finden. Als langzeitarbeitslos gilt eine Person, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung ist. Genau für diesen Personenkreis gibt es mittlerweile Programme, in die auch die Stadt Krefeld eingebunden ist, und die Hoffnung geben. Thomas Becker, Geschäftsführer des Jobcenters, konnte nämlich eine positive Zwischenbilanz zum Teilhabechancengesetz geben: Neun seiner Mitarbeiter arbeiten mit Herzblut daran, Langzeitarbeitslose über dieses Programm wieder in Lohn und Brot zu bekommen. Die Bundesregierung lockt Arbeitgeber durch Lohnkostenzuschüsse, wenn sie Personen aus dieser Zielgruppe einstellen. 1,9 Millionen Euro standen in 2019 dafür zur Verfügung, in diesem Jahr sind es sogar 3,9 Millionen Euro. Das Gesetz ist bislang auf fünf Jahre angesetzt. „Dieser Kundenstamm hat über viele Jahre nicht mehr gearbeitet und den Bezug dazu verloren. Und doch handelt es sich um motivierte und engagierte Menschen, leider aber häufig sehr mutlos," weiß Becker. 130 von ihnen konnten 2019 integriert werden, in 2020 sind es bis jetzt 100. Der Trend zeigt also - anders als NRW-weit - nach oben.

Knapp 40 ehemalige Langzeitarbeitslose arbeiten nun bei der Stadt

Auch bei der Stadtverwaltung habe man das Gesetz positiv aufgenommen und knapp 40 Personen eingestellt. „In Kitas übernehmen sie zum Beispiel Aufgaben im Bereich der Dokumentation, womit sie die Erzieherinnen und Erzieher entlasten und sich diese mehr um die Kinder kümmern können. In Schulen sind es Hausmeisterdienste, auch im Bereich der Quartiershilfe und im kulturellen Bereich sind einige eingesetzt. Das Aufgabenspektrum ist sehr vielfältig und keineswegs minderwertig. Die über diese Förderung Angestellten erkennen, dass ihre Arbeit wertvoll ist", schildert Sozialdezernent Markus Schön. In seinem Geschäftsbereich sind die Kommunale Zentralstelle für Beschäftigungsförderung und auch der Arbeitsmarktkoordinator verortet.

"Helfer"-Markt ist eingebrochen

Da Corona bedingt der „Helfer"-Markt eingebrochen ist, also der Markt, auf dem schlecht oder gar nicht ausgebildete Personen nach Arbeit suchen, kann das Qualifizierungschancengesetz einen Ausweg bieten. Die Arbeitsagentur übernimmt dabei berufsbegleitend Weiterbildungskosten von Geringqualifizierten und älteren Menschen. Der Arbeitnehmer erhält trotz Ausfallzeiten sein normales Gehalt, der Arbeitgeber bekommt Zuschüsse. „Die Arbeitnehmer erkennen, dass Fachkräfte ein hohes Gut sind. 2019 konnten wir so 175 Menschen weiterbilden, während sie gearbeitet haben, und auch in diesem Jahr sind wir auf Kurs", berichtet Bettina Rademacher-Bensing, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in der Region.

Stadt achtet darauf, an wen sie veräußert

Und noch ein Mittel wird in Krefeld angewendet, um einen sozialen Arbeitsmarkt zu garantieren. „Wenn wir städtische Gewerbeflächen veräußern, achten wir sehr genau darauf, dass sie an Gemeinwohl-orientierte Unternehmen gehen. Wir wollen Unternehmen ansiedeln, bei denen wir eine positive Arbeitsmarktentwicklung und lokale Wirtschaftsketten sehen. Diese Strategie fahren wir seit Jahren, dafür haben wir auch den Etat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft erhöht", erklärt der Oberbürgermeister. Das alles sei bitter nötig, denn die Folgen der Corona-Pandemie werden noch erheblich sein, sind sich die Beteiligten sicher.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Andreas Bischof

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