Seltenes Opernkostüm aus China erworben

„Es ist das erste, das ich so gesehen habe", schwärmt Walter Bruno Brix. Ein vergleichbares Stück kenne er nur noch aus der Sammlung des New Yorker Metropolitan Museum. Der weltweit agierende Asien-Experte kuratiert die kommende Ausstellung „Drachen aus goldenen Fäden" im Deutschen Textilmuseum, in der auch die Neuwerbung gezeigt wird. Brix konnte das Kostüm von einem rheinischen Privatsammler an das Krefelder Museum vermitteln. Den Ankauf ermöglichten die Spender Emilie Wefers, Barbara Esser und Wolfgang Horn sowie Gelder aus der Spendenbox im Museum. „Das Gewand hat einen höheren dreistelligen Betrag gekostet", berichtet Museumsleiterin Dr. Annette Schieck. Dem Privatsammler sei es wichtig gewesen, dass das seltene Objekt aus dem Jahr 1900 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dieser habe es in Hong Kong gekauft. Ob es auch von dort stammt oder aus Süd-China, sei schwierig einzuschätzen, so Brix.

Pailletten erzielen einen glänzenden Effekt

Derartige Roben trugen Konkubinen wie Yang Guifei oder Prinzessinnen vom fünften Rang einer neunstufigen Hierarchie am kaiserlichen Hof. Es handelt sich nicht um ein formelles, sondern um ein Tanzgewand. Unter anderem passt es zu einer Opernszene, in der Yang Guifei auf den Kaiser wartet. Doch er kommt nicht. Dann beginnt sie wild zu tanzen und zu trinken - nicht gerade typisch für eine Frau am Hof. „Die Robe besitzt fantastische Stickereien", schwärmt Brix. Hierbei fallen vor allem zwei mythologische Feng-Huang-Vögel auf, die stets als Pärchen auf solchen Arbeiten auftreten. Sie sind ein Glückssymbol in der chinesischen Kultur und sie schützen den südlichen Teil des Kaiser-Palastes. Feng bezeichnet die männlichen, Huang die weiblichen Tiere. Auch die Verwendung von „Schwarz" sei sehr selten und auffällig an diesem Kostüm, das aus mehreren Lagen Seide auf einer Baumwollbasis hergestellt wurde, so der Kurator. Bei den Stickereien vermutet er auch die Verwendung von chemischen Farben, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch sehr teuer waren. Über das Gewand verteilt sind Pailletten, die Licht reflektieren und bei Aufführungen einen glänzenden Effekt erzielten.

Männer schlüpften in Frauenrollen

Nachweislich wurden schon 5000 Jahre vor Christus Opern in China gespielt. Bei den Inszenierungen verzichten Regisseure auf umfangreiche Kulissen, Requisiten und Hintergrundbilder setzen sie spärlich ein. „Man erkennt am Kostüm, mit wem man es zu tun hat", erklärt Brix. Das Publikum kannte die unterschiedliche Bedeutung der Kostüme und ordnete - wie im Fall des Krefelder Gewandes - dieses dann einer Konkubine oder Prinzessin zu. Diese Frauenrollen verkörperten noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in China übrigens Männer.

Gute Ergänzung der Sammlung

Das seltene Kostüm ist ein Glücksfall für den Museumsbestand: Der ostasiatische Bereich umfasst etwa 2.000 Einheiten, davon 1.500 japanische und 500 chinesische Objekte - plus die neue Opernrobe. „Die Sammlung wird damit sehr gut ergänzt", freut sich Brix. Zumal er bei seinen jüngsten Forschungen herausgefunden hat, dass zwei als chinesische Theaterkostüme zugeordnete Kleider eine andere Funktion erfüllten, unter anderem in einem Tempel getragen wurden. Damit hätte das Museum nur noch über ein Männerkostüm eines Studenten und ein Kostüm-Fragment verfügt.

Die Aufarbeitung der Sammlungsbestände im Deutschen Textilmuseum ermöglicht das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt „Ans Licht", das die Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld mit 250.000 Euro finanziert. Durch die Förderung können Experten ans Haus geholt und Projekte realisiert werden, die sonst nicht möglich wären. Für „Ans Licht" werden vier textile Sammlungskomplexe aus Deutschland, Peru, Arabien und Ostasien untersucht. Neben vier Forschungs- und Ausstellungsvorhaben soll ein digitaler Auswahlkatalog erstellt werden. Die Sammlung des Deutschen Textilmuseums Krefeld umfasst annähernd 30.000 Objekte aus aller Welt. Sie ist neben einer Textilsammlung im französischen Lyon die bedeutendste Sammlung in Europa.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Dirk Jochmann

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