Friedrichstraße: Die erste Adresse der Stadt

Von der Leyen, Floh, Scheuten, von Loevenich, Scheibler, de Greiff, Heydweiller, Sohmann - all diese Namen der wohlhabenden Krefelder Familien eint eine Adresse, die Friedrichstraße.

Als die Stadt im 18. Jahrhundert nach Norden erweitert wurde, ließen die Seidenbarone und Kaufleute ihre repräsentativen Häuser mit ihren teils großen Gärten in diesem „Neubaugebiet" errichten. Von der einstigen Pracht zeugt nur noch das Haus Floh, Friedrichstraße 27. Die Bombardierung Krefelds im Sommer 1943 und der teils unnötige Abriss von historischen Gebäuden in der Nachkriegszeit veränderten gänzlich das Erscheinungsbild - eine kleine Bilder-Zeitreise.

Das als Umriss im Pflaster der Rheinstraße erkennbare Stadttor markierte einst die Grenze Krefelds. Die Geschichte der Friedrichstraße beginnt im 18. Jahrhundert genau dort vor der Stadtmauer. Das „Haus in den Ketten", Friedrichstraße 1, ließ Friedrich von der Leyen (1707-1778) bauen. Das Gebäude erhielt seinen Beinamen, weil ringsum schwere Ketten das Haus umgaben, wohl als Schutz gegen Fuhrwerke. Der Begründer des Weltruhms Krefeld empfing dort Napoleon I. und den späteren Kaiser Wilhelm I. Trotz seiner historischen Bedeutung wurde dieses Haus abgerissen. Ostern 1902 eröffneten an dieser Stelle die Gebrüder Kaufmann ihr Warenhaus mit einer markanten Glasfassade, in dem sie unter anderem Möbel verkauften. Zur Zeit der Von der Leyens wohnte der Kaufmann Adam Scheuten (1753-1801) gegenüber, Friedrichstraße 2, der Stifter des Realgymnasiums, dem heutigen Gymnasium am Moltkeplatz. In einen Teil des Hauses zog 1885 das Hotel Beltz ein, damals das zweitbeste Haus in der Stadt. Wenn Buffalo Bill mit seiner Wildwest-Show im Krefelder Tiergarten gastierte, quartierte er sich dort ein. 1913/1914 ging das Haus an den Viersener Kommerzienrat Kaiser, der dort sein „Kaiserhaus" hinsetzen ließ. Ein Kaiser-Café-Geschäft und ein Konzertcafé im ersten Stock gehörten lange zum Stadtbild. Nur wenige Meter weiter auf dieser Straßenseite steht zumindest noch ein Teil der roten Sandsteinfassade des ehemaligen Kinos „Apollo-Theater", Friedrichstraße 6. Das restliche Gebäude wurde 1943 zerstört. Der große Saal des Lichtspielhauses aus dem Baujahr 1916 besaß eine gewölbte, blau angemalte Decke, die mit Sternen verziert war. Das Kino erfreute sich bei jungen Paaren großer Beliebtheit. Sie nutzten gerne den „Ausgang auf der Klosterstraße", wo man sich meist ungestört küssen konnte.Die 1900 eröffnete Markhalle reichte bis zur Königstraße durch. Das Gebäude aus Eisen und Glas, zur Friedrichstraße mit einem großen Portal, entsprach allen modernen Anforderungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Handel dort trotz Beschädigungen - das Dach hatte kein Glas mehr - fortgesetzt. Doch die Halle muss 1965 dem Neubau eines Textilwarenhaus weichen. Im Haus Nummer 7, direkt links neben dem Halleneingang, kam Cornelius de Greiff (1781-1863) zur Welt, der große Wohltäter der Samt- und Seidenstadt. Die ungewöhnliche „runde" Eckfassade des Ziellenbach-Hauses (1893) soll der Straßenbahn geschuldet sein, die von der Friedrichstraße auf die seinerzeit schmale St. Anton-Straße abbog. Gegenüber befand sich das Kaufhaus Tietz, später Kaufhof. Das Warenhaus, im Jugendstil erbaut, öffnete im November 1907 und am ersten Verkaufstag kamen gleich 25.000 Menschen. Im Jahr 1928 wurde das Kaufhaus modernisiert, der dabei neu gebaute Dachgarten entwickelte sich rasch zu einer beliebten Attraktion. Nach dem Krieg öffnete das Kaufhaus nochmals. Das Erdgeschoss diente bis 1952 als Verkaufsfläche. Nachfolgend baute die Sparkasse an der Ecke eine Filiale, die vor einigen Jahren für einen Neubau abgerissen wurde.

Der "Pempel"

Die Stadt erwarb 1905 das Haus von Marianne Rhodius, Friedrichstraße 18, für die Stadtbücherei. Ihr Porträt zierte einst den noch erhaltenen Lesesaal, der Krieg und Abrisswahn überstand und nun Teil eines Geschäftes ist. Vis-a-vis steht das Haus Floh, Friedrichstraße 27, 1775 von Johann von der Leyen erbaut. Es vermittelt den noblen Eindruck der Straße bis zum Friedrichplatz. An der gegenüberliegenden Ecke der Carl-Wilhelm-Straße ließ Johann Valentin Heydweiller 1775/1776 das Haus „Zum Heyd" errichten. Der Arzt Dr. Johann Gotthard Lorenz von Pempelfurt (1733-1812) wohnte mit seiner Familie im Haus Friedrichstraße 35. Seine Beliebtheit und Schätzung in der Bevölkerung als „Pempel" führte allerdings auch mal zu einer amüsanten Irritation: Eines Abends rotierte sich eine Menschenmenge vor dem Wohnhaus im vornehmen Stadtteil. In der Stube vernahm man den Tumult. Pempelfort trat ans Fenster und er hörte jemanden brüllen: „Ihr Dussels! Mech kann kinne Menschenpempel helpe, ich sök enne Tierpempel, min Sau es ömjefalle!". Worauf die Menge sich entfernte. Den Abschluss der Straße zum Friedrichsplatz, auf dem seit 1875 das Kriegerdenkmal der „Germania" stand, bildeten zwei große Häuser: Das Stadtpalais „Haus Scheibler" (1775) und auf der anderen Seite „Haus Jörgens" (um 1776).

Von der Malerin Agnes Kaiser existieren Zeichnungen und Bilder von einigen Häuser an der Friedrichstraße und im Fall des „Hauses Scheibler" auch von einem Treppenhaus sowie dem Gartenhaus aus dem Jahr 1908. Die Fassaden dieser Wohnhäuser überstanden zwar den Krieg, doch letztlich ersetzte man sie durch Neubauten. Diese Bilder und einige Fotos gibt es unter https://www.krefeld.de/de/presse/fotos-hp/&c90=2147483647&r90=Friedrichstra%C3%9Fe#dq

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Handy App

[Link]
   
[Link]
   
[Link]
Go to top