Kresch: Neun Monodramen über historische Frauen

Eine Zeitmaschine bräuchte man, um Menschen aus der Vergangenheit zuzuhören, was sie über sich, ihre Arbeit, Taten oder Träume zu sagen haben und sich mit ihnen darüber noch zu unterhalten.

Das Kresch-Theater, das Krefelder Schauspiel für Kinder und Jugendliche, überschreitet in der neuen Reihe „Historische Frauen" nun diese scheinbar nicht zu überwindende Grenze. In neun Monodramen kommen nicht nur glanzvolle oder unbekannte Biographien wie die der Wissenschaftlerin Ada Lovelace Byron, sondern auch kritische, verbrecherische Lebensgeschichten wie die der Terroristin Gudrun Ensslin auf die Bühne. „Wir möchten einen Anstoß geben, sich neugierig für die Zeit und Personen zu interessieren", sagt Intendanten und Regisseurin Isolde Wabra.

Historische Quellen zur Vorbereitung

 

Die Auswahl der historischen Frauen haben mal die Schauspielerinnen, mal die Regisseure getroffen. Für die Vorbereitung nutzten sie historische Quellen wie Briefe, Verhörprotokolle sowie Dokumentationen. Die Annäherung an die Darzustellenden verläuft unterschiedlich. „Mein Sohn hat mich als erstes gefragt, ist das eine Gute oder Böse. Das ist die zentrale Frage, von der aus ich mich der Rolle nähere", berichtet Schauspielerin Ilka Luza. Unter der Regie von Helmut Wenderoth verkörpert sie Gudrun Ensslin. „Sie spricht ihren Hass auf die bestehenden Verhältnisse und deren Vertreter gegen die Wände ihrer Gefängniszelle in Stuttgart Stammheim", so Wenderoth. Das einst führende Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) war in den 1970er-Jahren für viele Bürger die Staatsfeindin Nummer Eins. Luza will sich zunächst von außen der Terroristin annähern und fragt sich, für was sie gekämpft hat. Während Luza in der Vorbereitung steckt, steht Schauspielerin Michaela Christl unter der Regie von Isolde Wabra schon auf der Probenbühne. „Ada Lovelace Byron - der Name ist relativ unbekannt", sagt Christl. Wer sich mit Naturwissenschaften beschäftige, kenne die visionäre Mathematikerin aus dem 19. Jahrhundert eher: Sie schrieb in den 1840er-Jahren das erste Computerprogramm der Welt. Ihre außergewöhnliche Biographie interessiert Christl schon länger. „Ich möchte jungen Menschen mitgeben, dass Frauen auch in Naturwissenschaften zum Vorbild werden können", berichtet Christl. Denn trotz der damaligen gesellschaftlichen, vornehmlich männlichen Widerstände in der Wissenschaft verwirklichte Ada Lovelace Byron ihren Traum. Und dafür riskierte sie einiges: „Sie hat ihr Studium zum Teil mit Pferdewetten finanziert. Zum Glück gewann sie auch", berichtet Christl. In der Inszenierung wird die Wissenschaftlerin quasi auf einen Nachfahren ihrer Forschung treffen, einen PC.

Spannende Geschichte für junge Menschen ab 14 Jahren

Das Kresch-Theater möchte mit den 15 bis 20-minütigen Monodramen Geschichte für junge Menschen ab 14 Jahren spannend und interaktiv erzählen. „Es besteht eine große Sehnsucht nach lebendigem Lernen", so Wabra. Die spielerische Umsetzung soll eben kein klassischer Geschichtsunterricht mit einem Zeitzeugenbericht sein. Nach dem Stück besteht für die Schüler die Möglichkeit, mit der Figur in einen Dialog zu treten, Fragen zu stellen. Schulen werden die Möglichkeit haben, sich ihr individuelles Paket für den passenden Anlass zu buchen. Je nach Bedarf beispielsweise begleitend für den Schulunterricht mit einer oder mehreren Schauspielerinnen. Das flexible Format kann auf den Studiobühnen, in Schulen und auf virtuellen Weg gebucht werden. „Für die Schulen sind wir ab Ende März bereit", sagt die Intendantin. Die Bühnen-Premiere in der Fabrik Heeder ist für das erste „historische Wochenende" am 24. und 25. April geplant.

Die Monodramen:
Sophie Scholl: Besetzung Linda Klein, Regie Isolde Wabra
Magda Goebbels: Besetzung Christina Beyerhaus, Regie Isolde Wabra
Ada Lovelace Byron: Besetzung Michaela Christl, Regie Isolde Wabra
Elisabeth I. von England: Besetzung Barbara Feldbrugge, Regie Isolde Wabra
Gudrun Ensslin: Besetzung Ilka Luza, Regie Helmut Wenderoth
Die heilige Maria: Besetzung Britta Weyers, Regie Helmut Wenderoth
Rosa Luxemburg: Besetzung Lina Maria Spieth, Regie Helmut Wenderoth
Die Pest: Besetzung Silvia Westenfelder, Regie Franz Mestre
Berta von Suttner: Besetzung Claudia Schnürer, Regie Franz Mestre.



Foto: Stadt Krefeld, Kresch-Theater