Hunde retten Menschen: neue DRK-Rettungshundestaffel

Es ist um die 2 Grad kalt, windig, feucht – kein Wetter für einen gemütlichen Spaziergang mit Hund.

Silke Unger, Monika Broden, Renate Leijnse und Babette Weymanns schreckt das ungemütliche Wetter aber nicht ab: Sie treffen sich an diesem Samstag um 11 Uhr mit ihren Hunden Fidel (Bluthund) und Tante Käthe (Schwarzwälder Schweißhund), Hannes (Flat Coated Retriever), Caya (Hovawart) und Platon (Deutsch-Drahthaar) auf einem zugigen Parkplatz im Europark Fichtenhain zum Training: Die vier Frauen – und ihre fünf Hunde – sind Mitglieder der ehrenamtlich tätigen Rettungshundestaffel des DRK Kreisverbandes Krefeld.

Sie trainieren hier mit den Tieren „Mantrailing – Personensuche unter Einsatz von Gebrauchshunden“. Der als Mantrailer ausgebildete Hund nutzt seinen Geruchssinn, um den Geruch einer vermissten Person aufzunehmen und über eine lange Strecke in der Luft zu verfolgen. Dabei unterscheidet das Tier genau zwischen dem Geruch des Vermissten und anderen Gerüchen, die in der Luft liegen. Mantrailer können im Gelände arbeiten, aber sie sind selbst in Innenstädten in der Lage, den Geruch genau zu differenzieren.

Der Übungstag der vier Hundeführerinnen beginnt mit dem Team Babette Weymanns und Platon. Monika Broden, die Tierärztin in der Hundestaffel, macht den „Runner“ – die weggelaufene / vermisste Person. Während der Rest der Gruppe auf dem Parkplatz wartet, geht sie einen knapp einen Kilometer langen Weg – durch Gestrüpp und Gräben und um die Gebäude, die im Europark stehen. Dann versteckt sie sich im Gestrüpp – zusätzlich getarnt durch einen unauffälligen Parka. Renate Leijnse, die mit ihr gegangen ist, geht auf einem anderen Weg zurück zum Parkplatz, um dem Suchteam das Signal zum Start zu geben: Platon wird ein Handschuh unter die Nase gehalten, damit er die Witterung des „Runners“ aufnehmen kann. Dann machen sich Platon und Babette Weymanns auf die Suche: Der Hund erhält an einer langen Leine Bewegungsfreiheit und übernimmt die Führung. Es geht erst durch Gestrüpp und Gelände, dann auf einen gepflasterten Parkplatz. Hier wird es schwierig: „Der Wind hat die Geruchsspur verweht“, erklärt Silke Unger. Durch die systematische Anleitung der Hundeführerin findet Platon sie wieder und lenkt die Gruppe um die nächsten Gebäude-Ecken. Nach etwa 15 Minuten ist Platon die ganze Spur abgelaufen und findet die am Boden kauernde „vermisste“ Monika Broden. Für diesen Erfolg wird er von Frauchen Babette Weymanns mit Leckerli, Streicheln und Spielen belohnt.

Mantrailer werden für verschiedene Suchzwecke von der Polizei angefordert, erklärt Silke Unger: „Wenn ein dementer Mensch vermisst wird, wenn eine Person mit Suizid-Ankündigung vermisst wird oder auch, wenn ein Kind vermisst wird“. Die Hundeführer sind ebenfalls gut geschult: Sie können das Verhalten des Hundes „lesen“, kennen aber z.B. auch Eigenheiten der Demenz-Erkrankung: „Menschen mit Demenz zieht es zum Wasser. Wenn ein See oder Fluss in der Nähe ist, sollte das berücksichtigt werden“, erklärt Babette Weymanns.  Als nächstes Team üben Silke Unger und Fidel: Für sie wird es schwieriger: „Runner“ Weymanns“ geht erst eine kurze Strecke den gleichen Weg, biegt dann aber nach rechts ab und sucht ein anderes Versteck. „Jetzt muss der Hund unterscheiden, welche Geruchsspur älter und welche jünger ist. Das entspricht der Realität: Oft gehen Senioren ja täglich ihre gewohnten Wege und irgendwann einmal verlieren sie den Heimweg“, schildert Silke Unger. Weitere Schwierigkeit: Die „Schnüffelprobe“ ist die Hundeleine des „Runners“, an der sich Mensch- und Tiergeruch mischen. Fidel löst die Aufgabe aber vorbildlich und findet Monika Broden wenig später.

Die heutige Rettungshundestaffel des DRK Krefeld besteht aus rund 20 Hunden und ihren Frauchen/Herrchen. Die Tiere sind unterschiedlich „spezialisiert“: Einige für die Suche in der Fläche, andere für die Suche in Trümmern (nach Explosionen oder Erdbeben), andere eben als Mantrailer oder für die Suche im Wasser. Die Tiere werden unabhängig geprüft und können erst nach Bestehen in Einsätze geschickt werden. Die Hundeführer-Gruppe besteht schon länger, sie hat sich im Dezember 2019 dem DRK Kreisverband Krefeld angeschlossen. „Wir sind über das DRK in das Rettungswesen integriert und werden von der Polizei angefordert“, erklärt Silke Unger. Sie selbst war zuletzt im Januar in Borken im Einsatz, um einen geistig verwirrten Mann zu suchen – leider konnte er nur noch tot gefunden werden. „Ein solcher Ausgang ist immer unschön, aber für die Angehörigen ist es wichtig, dass sie Gewissheit haben“, sieht sie doch einen wichtigen Zweck in der Arbeit. Insgesamt hatte die Staffel in den vergangenen rund zehn Wochen bereits zehn Einsätze. „Schön ist es, wenn wir einen Menschen unversehrt finden können. Die Angehörigen sind sehr dankbar. Wir erhalten eine Postkarte oder manchmal spenden sie sogar für unsere Arbeit“, erzählt Silke Unger. Schwierig, aber zum Glück gut ausgegangen sei eine andere Suchanforderung: Ein Jugendlicher hatte einen Abschiedsbrief hinterlassen und war verschwunden.
Die verschiedenen Gruppen üben im Schnitt zweimal die Woche – die Mantrailer in unterschiedlichen Umgebungen. Manchmal wird die Duftfährte schon am Vortag gelegt – das ist Realität, weil das Verschwinden eines Gesuchten oft erst mehrere Stunden später bemerkt wird.

Bildquelle: DRK Kreisverband Krefeld; Nadia Joppen

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