Erste Auszubildende im Stadtarchiv Krefeld

Was ist wert, dass es „Geschichte" wird? - Diese Frage gehen Archivare wohl weniger philosophisch, sondern in der Regel sehr praktisch an, wenn es um die Entscheidung geht, was soll für die Ewigkeit aufbewahrt werden.

In so einem Moment wird durch die Auswahl in der Tat „Geschichte gemacht". Was dereinst Wissenschaftler oder Hobbyforscher in einem Archiv finden werden, beurteilte und entschied meist viele Jahre zuvor ein Archivar. Und genau das lernt Fenja Schneiders in den kommenden drei Jahren als erste Auszubildende im Stadtarchiv Krefeld und noch vieles mehr. Dafür bringt die Willicherin beste Voraussetzungen mit.

Seit ihrer Schulzeit begeistert sie sich für Geschichte, studierte es, was sie jedoch als zu theoretisch empfand. „In meiner Ausbildung erlebe ich nun Geschichte zum Anfassen und mache genau das, was mich immer interessiert hat", sagt Schneiders.Seit einigen Jahren ist es bundesweit in Archiven möglich, eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mit der Fachrichtung Archiv zu absolvieren. Angesichts des Fachkräftemangels eröffnete diese Änderung die Möglichkeit zur Professionalisierung in den Einrichtungen. Manche Aufgaben wurden bis dahin nur von angelernten Hilfskräften erledigt. Das reicht heute meist nicht mehr aus. „Die Arbeit im Archiv ist deutlich komplexer geworden", betont Dr. Olaf Richter, Leiter des Krefelder Stadtarchivs. Als dort 2018 eine Stelle neu besetzt werden sollte, ergab sich die Chance, einen Ausbildungsplatz auszuschreiben. Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bewarb sich Schneiders mit rund 30 weiteren Interessierten für die Ausbildung und wurde genommen. Nun ist sie bundesweit eine von nur 60 Auszubildenden in diesem Bereich.

Übernahme in Festanstellung geplant

Im vergangenen August begann die 23-Jährige ihre umfangreiche Ausbildung im Stadtarchiv. Zu ihren Aufgaben zählt die Digitalisierung unter anderem von Bildmaterial und so lernte sie auf eine eher ungewohnte Weise Krefeld kennen. „Ich komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Archiv. Früher kannte ich mich hier kaum aus. Seit ich jedoch die Postkarten und Dias digitalisiere und verzeichne, erkenne ich in der Stadt immer mehr wieder und wie es früher einmal ausgesehen hat. Das ist spannend", sagt Schneiders. Zudem lernt sie in ihrer Lehrzeit die Übernahme von Archivgut, das Lesen alter Schriften sowie Kundenbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit. Neben ihrer Tätigkeit im Haus an der Girmesgath besucht sie an zwei Tagen ein Berufskolleg in Düsseldorf. Dort wird sie unter anderem in Arbeits- und Sozialrecht als Teil der Verwaltungsausbildung unterrichtet. Nach Abschluss ihrer Ausbildung ist geplant, Fenja Schneiders dann in eine Festanstellung zu übernehmen.

Bei der Stadt Krefeld sind aktuell 225 Auszubildende/Studierende/Trainees beschäftigt, unter anderem in folgenden Berufsbildern: Duales Studium Bachelor of Laws/Arts - Allgemeine Verwaltung; Duales Studium Bachelor of Arts - Soziale Arbeit; Verwaltungswirt; Brandmeisteranwärter; Notfallsanitäter; Fachangestellte für Bäderbetriebe; Vermessungstechniker; Erzieherin; Gärtner mit den Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau, Friedhofsgärtnerei, Staudengärtnerei; Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste - Fachrichtung Bibliothek. Insgesamt werden 26 verschiedene Ausbildungen, Studiengänge und Traineeships angeboten.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

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