Windlabor im Hochseecontainer: Wo Chaos und Zufall regieren

Die drei Hochseecontainer vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum ziehen schon jetzt viele Blicke auf sich. „Sind das Tiny Houses?", fragt eine Passantin in Anspielung auf die winzigen Hausmodule, die auch in Europa immer beliebter werden.

„Was bauen Sie denn hier auf", möchte ein anderer Spaziergänger wissen und schaut den Technikern bei ihren letzten Handgriffen zu. Die Container, die rundum verglast sind, werden am Dienstag und Mittwoch zum Setting einer ungewöhnlichen Performance auf dem Joseph-Beuys-Platz. Unter dem Titel „Unfassbar" errichtet das Kölner Choreografen-Duo Angie Hiesl und Roland Kaiser eine Art „Windlabor" im öffentlichen Raum.

Riesige Ventilatoren lassen Zeitungsseiten kreuz und quer durch den geschlossenen Quader wirbeln. Die beiden Tänzerinnen Lenah Flaig und Helena Miko bewegen sich dazu durch das stürmische Ambiente.„Move in Town" heißt das Konzept, mit dem das Kulturbüro bereits seit 2014 öffentliche Orte in Krefeld aufsucht, die sich tänzerisch erschließen lassen. Nach Gastspielen in Parks, am Rheinufer und unter einer Autobahnbrücke ist die von Klaus Schmidt-Hertzler kuratierte Reihe erstmals innerhalb der vier Wälle gelandet. „Wir verlassen ganz bewusst den Bühnenraum und versuchen, auch zufälliges Publikum zu gewinnen und für modernen Tanz zu begeistern", sagt Dorothee Monderkamp, stellvertretende Leiterin des Kulturbüros. Dafür ist die Zeitschiene diesmal besonders gut geeignet, denn am 24. September - nur wenige Tage nach dem öffentlichkeitswirksamen Schauspiel am Museum - eröffnet auch das reguläre Festival „Move!". Es findet in diesem Jahr bereits zum 20. Mal statt.

Kooperation mit dem Kulturbüro

Für „Move in Town" hat das Kulturbüro diesmal Partner gefunden, die sich mit ortsspezifischen Arbeiten besonders gut auskennen. Angie Hiesl und Roland Kaiser arbeiten nie in Theaterräumen, sondern immer an „kunstfremden" Orten, sei es im privaten oder im öffentlichen Bereich. Mit der Krefelder Uraufführung lassen sie ihre gewohnten Schauplätze in Köln und Düsseldorf hinter sich und kooperieren erstmals mit dem hiesigen Kulturbüro. „Wir haben uns vom Element des Windes zu dieser Arbeit inspirieren lassen. Wind erzeugt magische Augenblicke, aber kann durch seine Gewalt und Kraft auch Entsetzen auslösen", erklärt Choreograph Roland Kaiser. Bei der Performance gehe es darum, in einem geschlossenen System „das Verhältnis von Kontrolle und Zufall, Ordnung und Chaos, Mensch und Umwelt" zu erforschen. Der Titel „Unfassbar" ist durchaus wörtlich zu nehmen: Denn sowohl der Wind als auch seine unmittelbaren Auswirkungen sind schwer zu greifen. Versucht haben die beiden Choreographen es trotzdem: Um die Abläufe der Produktion möglichst genau zu berechnen, haben sie mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum zusammengearbeitet - mit ernüchterndem Ergebnis. „In einem Container mit Windmaschinen kann man nichts vorhersehen. Es gibt zu viele Variablen wie die Außentemperatur, die das Ergebnis beeinflussen", sagt Angie Hiesl. Auch die Zuschauer können ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Performance entwickeln: Die Container sind rundum einsehbar, das Glas ermöglicht Ein- und Durchsichten, wirft aber auch Spiegelungen zurück zum Betrachter.

„Unfassbar" kommt an zwei Tagen zur Aufführung und wird jeweils in zwei Teilen gezeigt. Am Dienstag und Mittwoch, 21. und 22. September, läuft das „Windlabor" von 11 bis 16 Uhr als reine Raum-Installation. Von 17 bis 19.30 Uhr kommen die Tänzerinnen für die eigentliche Performance hinzu. Das Format „Move in Town" wird gefördert vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft, die Compagnie erhält zudem eine Förderung von der Stadt Köln und der Kunststiftung NRW. Der Rheinhafen Krefeld hat mit einer Kernkompetenz bei der Vorbereitung ausgeholfen und den Transport der Seecontainer übernommen. Die mobilen Kunsträume kamen von Hamburg über Köln auf den Joseph-Beuys-Platz.

Foto: Stadt Krefeld, Kulturbüro

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