Kiosk, Imbiss und Waschsalon werden zu Orten der Alltagskultur

Der Kiosk um die Ecke, der kleine Imbiss mit den Wänden aus Wellblech oder die Waschstraße mit „Powersauger": Solche unscheinbaren Alltagsorte werden in Krefeld ab sofort zu Schauplätzen kultureller Experimente.

Mit der Aktion „Glamour Passion" zeigt das Stadtmarketing Kunst und Design vor ungewöhnlicher Kulisse. Über eine App können die Nutzer Comics und Fotos betrachten, Hörspielen lauschen oder Videos anschauen, die am jeweiligen Schauplatz entstanden sind. „Abseits der großen Museen und kulturellen Zentren, die unsere Stadt prägen, wollten wir spannende Alltagsorte finden und für den künstlerischen Dialog entdecken.

Wichtig war uns dabei, dass die Beiträge digitalisiert werden können und auf diese Weise dauerhaft zur Verfügung stehen", sagt Claire Neidhardt, Leiterin des Stadtmarketings. Die Aktion ist Bestandteil des Themenjahres Stadtkultur im Zuge des Krefelder Perspektivwechsels.Die Kuratorin Kim Schwerm hat Orte und Künstler zusammengebracht und dabei nachdenkliche, witzige und emotionale Begegnungen geschaffen. „Die Frage war: Wie können wir den Ort aufwerten und den Blickwinkel wechseln?", sagt die Absolventin der Hochschule Niederrhein. Die Antworten fallen ganz unterschiedlich aus: Die Malerin Mauga Houba-Hausherr hat in einem Kiosk an der Hülser Straße Menschen porträtiert, die zufällig vor Ort waren; die Illustratorin Wienke Treblin erschafft aus den Online-Rezensionen eines Eis-Cafés poetische Texte; die Designerin Olga Covaliova erzählt die Lebensgeschichte eines Kioskbesitzers von der Südstraße; und die Krieewelschen Pappköpp lassen in einem Imbiss an der Oppumer Straße die Marionetten tanzen. Weitere Arbeiten stammen vom Künstlerkollektiv Studio Dang, das sich gleich drei Krefelder Orte vorgenommen hat, und von Designstudenten der Hochschule Niederrhein, die unter anderem vor dem Meister Ponzelar am Südwall, an einer Tankstelle und an einer Waschstraße aktiv waren. In den kommenden Jahren sollen weitere Orte hinzukommen, so dass mit der Zeit eine alternative Stadttour der Krefelder Alltagskultur entsteht.

Der Künstler Ivo Lucas hat unter seinem Pseudonym Mizaru an „Glamour Passion" teilgenommen und in einem Waschsalon an der St.-Anton-Straße gearbeitet. Anhand des Rauschens und Gurgelns der Waschmaschinen hat er einen Physiker und einen Biologen dazu befragt, an welchem Punkt für das menschliche Ohr Geräusche aufhören und Musik beginnt. Zusätzlich präsentiert Mizaru Auszüge aus seinem Roman „Der Tag Null" als Hörspiel. „Mich interessiert es, als Künstler den Ort selbst in den Blick zu rücken. Und Krefeld hat viele solcher Orte, die eine besondere Ästhetik entwickeln", erklärt Ivo Lucas.Die Beiträge der Aktion „Glamour Passion" stehen für Kunstinteressierte und andere Entdecker rund um die Uhr zur Verfügung. Man benötigt dazu lediglich die kostenfreie App „Yona" auf dem Handy. Vor dem jeweiligen Kulturort muss man sich auf einen Stern mit der Aufschrift „Vom Büdchen bis zur Tanke" stellen, der als Logo auf den Boden aufgesprüht wurde. Von diesem Standpunkt aus muss man die Handykamera geradeaus auf den Ort richten. Anschließend werden die Inhalte angezeigt. Am Samstag, 23. Oktober, gibt es zudem eine geführte Fahrradtour mit Kim Schwerm zu allen Stationen. Anmeldungen sind möglich unter This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. .

Die Orte im Einzelnen: Fahrradwerkstatt (Nordstraße 23), Antiquariat Papierplanet (Petersstraße 14), Bläsen Imbiss (Oppumer Straße 9), Waschsalon Piccobello (St.-Anton-Straße 13), Kiosk Santini (Hülser Straße 43), Kiosk 58 (Südstraße 6), Eisdiele Dolce Vita (Seyffardtstraße 88), Mega Kiosk (Südstraße 53), IMO Wash Waschstraße (Hofstraße 60), Prinz Imbiss (Prinz-Ferdinand-Straße 8), Meister Ponzelar (Südwall/Ecke Ostwall), Tankstelle (Girmesgath 6).

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

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