Informationsrunde spricht über Mädchenbeschneidung

Zum zweiten Mal hat Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef eine Veranstaltung zur Thematik „Mädchenbeschneidung" in Krefeld in den Räumen des städtischen Fachbereiches Migration und Integration initiiert.

Durch die Zuwanderung aus betroffenen Gebieten ist dieses Thema auch hier aktuell. Das Spektrum der Gebiete, die Frauenbeschneidungen praktizieren, reicht von Mauretanien über den Iran und Irak bis nach Indonesien. Wobei schon die Bezeichnung dem Sachverhalt nicht gerecht wird, „wir sind schon seit langem auf der Suche nach einem neuen Begriff für den Eingriff, der die Frauen nicht abwertet", erläutert Günter Haverkamp.

Denn tatsächlich geht es um grausame Verletzung und Amputation der weiblichen Geschlechtsteile und ist nicht mit der männlichen Beschneidung, etwa im Judentum oder Islam, vergleichbar. Haverkamp setzt sich seit über 20 Jahren für Aufklärung und Prävention ein, er ist Repräsentant des Vereins „Weißes Friedensband". Zusammen mit dem Fachmann führten Marilyn Leiteritz und Lycien Friebe, beide soziale Fachkräfte der städtischen Abteilung Integration, durch die Veranstaltung.Die Zahlen lassen erschauern: Weltweit sind 200 Millionen Frauen von dem grausamen Eingriff betroffen, alleine in Nordrhein-Westfalen über 15.000 Frauen, weitere 4.700 Mädchen seien aktuell bedroht. Durch die unhygienischen Umstände bei dem Eingriff erkranken viele Mädchen oder sterben gar. Beschneidungen werden häufig mit nicht sterilisierten Rasierklingen, Glasscherben, scharfen Dosen vorgenommen. Die überlebenden Mädchen und Frauen leiden beim Wasserlassen, während der Periode, beim Geschlechtsverkehr - und seelisch dauerhaft. Das Frauenbild, das dem Eingriff zugrunde liegt, ist kaum erträglich: „Frauen gelten als unrein, wenn sie nicht beschnitten sind. Sie werden nicht mehr geheiratet und werden als eine Schande für ihre Familie angesehen", erklärt Lycien Friebe. Dass es selbst beschnittenen Geschlechtsgenossinnen sind, die das grausame Ritual Generation für Generation weitertragen, erscheint paradox. Es handelt sich um ein besonders lukratives Geschäft in vorwiegend armen Ländern, das mit hohem Ansehen verbunden ist. Bei allem Unverständnis mahnt Günter Haverkamp: „Es nützt nichts, von oben herab zu verurteilen". Es handele sich um eine Praxis, die bereits die Ägypter kannten und kulturell tief verwurzelt ist. Umdenken klappe nur, wenn Begegnungen auf Augenhöhe geschähen und wichtige Informationen gerade in Kindertagesstätten, Schulen, bei Ärzten und Sozialfachkräften ankämen.

Auch in Europa geben sich Ärzte dafür her, Beschneidungen durchzuführen

Was kann auch in Krefeld getan werden? Hellhörig sollten Bezugspersonen etwa dann werden, wenn ein Mädchen erzählt, es flöge ohne Geschwister zu einer großen Feier in die elterliche Heimat. Wenn Mädchen auf einmal nicht mehr trinken möchten oder extrem lange für den Toilettengang bräuchten, könnten das Anzeichen für einen bereits vollzogenen Eingriff sein. Dabei muss dieser nicht in Afrika oder Asien passieren: Auch in Europa geben sich Ärzte dafür her, Beschneidungen durchzuführen. Es gibt Möglichkeiten, etwas zu tun. So konnten Günter Haverkamp und andere Engagierte bewirken, dass die Mädchenbeschneidung für die Vollziehenden zu einem Straftatbestand erklärt wurde. Es gibt zudem Netzwerke, die Betroffenen helfen - auch medizinisch in Form von Rekonstruktionen. Der Fachmann regt zu Beteiligung an Runden Tischen an, um das Thema weiter zu transportieren und gemeinsam an Hilfen zu arbeiten. Geplant sind weitere Workshops für Fachkräfte - grundsätzlich soll das Thema darüber hinaus präsent sein. „Wir sammeln die Kontakte aller Interessierten in Krefeld", verspricht Marilyn Leiteritz zum Schluss der aufrüttelnden Veranstaltung.

Foto: Pixabay

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