Sportentwicklungsplanung: Politik kann im Frühsommer entscheiden

Wo, das wissen wir nun nach Sportdialog, den Quartiersblicken und der Arbeit der Kommission", blickt Dieter Hofmann zurück. Er war es, der ein Jahr nach seinem Antritt als Vorsitzender des Stadtsportbundes im Jahre 2011 den Prozess zusammen mit der Stadt angeschoben hatte. Auch Fachschaften und Vereine hatten ein Konzept für die Zukunft gefordert. Die Idee zu einer Sportstättenkommission wurde schließlich im September 2018 vorgestellt und stieß auf so große Zustimmung, dass sie schon zwei Monate später ihre Arbeit aufnahm - als ein demokratisch legitimiertes, breit aufgestelltes und repräsentatives Gremium. Schließlich setzt sie sich aus Vertretern der Politik, der Verwaltung, Vereinen und Bürgervertretern sowie externen Experten wie der Hochschule Rhein-Ahr-Campus, zusammen. Aufgeteilt ist sie in die drei Arbeitsgruppen Sportfreianlagen, Sporthallen und Sportsonderbauten. „Wir arbeiten nicht hinter verschlossenen Türen, sondern äußerst transparent. Jedes der Mitglieder vertritt eine bestimmte Partei oder Gruppe, sodass man davon ausgehen und sich darauf verlassen kann, dass die in der Kommission geäußerten Meinungen auch die Interessen der Partei oder Gruppe widerspiegeln", so Sportdezernent Markus Schön.

Er nimmt damit auch Stellung zu den kritischen Medienberichten der vergangenen Tage über die Arbeitsgruppe Sportfreianlagen. Kurz vor Weihnachten hatte die Arbeitsgruppe das Ergebnis einer umfassenden Untersuchung bekannt gegeben. Dabei wurden die Kriterien zeitgemäßer Sportfreianlagen erarbeitet und die Bedarfe ermittelt. Am Ende stand eine Prioritätenliste zukunftsfähiger und auslaufender Anlagen. Zur Bewertung diente dem Team des Rhein-Ahr-Campus um Professor Lutz Thieme ein Punktesystem, das in der Arbeitsgruppe konzipiert wurde und sich an den Kriterien Schule, Verein und Soziales orientiert. „Wir hatten uns einstimmig innerhalb der Arbeitsgruppe darauf geeinigt, diese drei Kriterien zu betrachten. 40 Prozent macht dabei die Nutzung durch Vereine aus, 40 Prozent die Nutzung durch Schulen, und zu 20 Prozent wirken die sozialen Indikatoren mit ein", erklärt Oliver Klostermann, Leiter des Fachbereichs Sport und Sportförderung. Die Analyse brachte zum Ergebnis, dass sichdie Sportanlagen am Rundweg (Uerdingen), am Reinersweg (Krefeld-Süd), in Traar und in Elfrath als zukunftsfähig erwiesen haben. „Unter den Strich" fallen die Anlagen an der Randstraße (Lindental), im Kaiser-Wilhelm-Park (Krefeld-Nord) und am Schroersdyk. Auch die Plätze in Gellep und in Linn fallen darunter, hier wird allerdings noch an einer Lösung gearbeitet. Schön: „Es gab von keinem in der Arbeitsgruppe eine Stimme gegen dieses Ergebnis. Es ist dann umso überraschender, etwas anderes den Medien zu entnehmen." Ein Blick in andere Städte zeige, so Hofmann, dass das Vorgehen längst nicht neu ist. „Im Ruhrgebiet haben sich Vereine zusammengeschlossen, die einst durch Autobahnen getrennt waren. Es ist absolut nicht mehr zeitgemäß, davon auszugehen, dass die 100-jährige Geschichte eines Vereins dazu legitimiert, auf seine eigene Anlage zu pochen." Am Ende sei es eben auch keine emotionale Pro-und-Contra-Entscheidung, sondern eine wissenschaftlich fundierte und auf Fakten basierende.Im Sommer hatte die Stadtverwaltung Krefeld die größte Investition in die Sportfreianlagen seit Jahrzehnten bekanntgegeben: 14,5 Millionen Euro werden an fünf Standorten investiert, um die dortigen Sportfreianlagen zukunftssicher zu machen.

Investiert werden soll in die Bezirksportanlage Horkesgath, die Hubert-Houben-Kampfbahn, die Edelstahl-Kampfbahn, den Sprödentalsportplatz und im Covestro-Sportpark in Uerdingen. Schön: „Wir wollen Qualität vor Quantität, die Vereine erhalten ganz neue Möglichkeiten auf den sanierten Anlagen. Allen Clubs bieten wir die Chance, sich hier einzubringen. Wer das nicht tut, verpasst aber wahrscheinlich, sich für die Zukunft aufzustellen. Und am Ende wird der Nutzer sich dahin orientieren, wo er die besten Rahmenbedingungen vorfindet. Bevor wir jedoch eine Anlage auslaufen lassen, wird eine andere im Umkreis fertiggestellt sein. Ein Umzug kann also nahtlos erfolgen." Als Nachnutzung ausgelaufener Anlagen sind vorerst Freiflächen für Freizeitsport, Spiel und Bewegung geplant.Auch in den anderen Arbeitsgruppen liegen Ergebnisse vor. Insgesamt 80 Sporthallen gibt es in Krefeld, viele sind alt und befinden sich in keinem guten Zustand. Der letzte Neubau liegt bereits 15 Jahre zurück. Da Sporthallen auch vielfach von Schulen genutzt werden, fließen bei der Bedarfsermittlung auch die Erkenntnisse aus der Schulentwicklungsplanung mit ein. Dabei wurde deutlich, dass alleine für den Schulsport viele Hallen fehlen. „Eigentlich fehlen uns in fünf Bezirken Sporthallen", so Schön, der aber auch hier nicht ohne Hoffnung in die Zukunft blickt. Möglich sei zum Beispiel ein Neubau am Rundweg, wo der VfB Uerdingen beheimatet ist und viel Schulsport betrieben wird. Und kommt eine neue Gesamtschule in Fischeln, sei auch hier an einen Hallenneubau gedacht, so Schön. „Natürlich müssen wir schauen, ob wir irgendwo Synergien nutzen können. Eisläufer benötigen zum Beispiel eine Turnhalle, und bei einer nötigen Sanierung der Turnhalle an der Gerberstraße ist auch ein Lehrschwimmbad vorstellbar", sagt er.Beim Blick auf die Schwimmbäder der Stadt steht die Bedarfsermittlung von Wasserflächen in ganz Krefeld bevor. Für das Badezentrum Bockum ist die Bäderleitplanung angelaufen. Anfang Februar soll ein Workshop mit Verwaltung, Politik und Vereinen das weitere Vorgehen bestimmen. Ziel ist es, bis Mitte 2020 eine Grundsatzentscheidung herbeizuführen. Geleitet wird der Prozess von Christian Kuhn von der Deutschen Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft, der dies auch schon für das Hülser Freibad getan hat. Für dieses Bad wird im Februar eine Machbarkeitsstudie erwartet. Auch in Sachen Eishallen wird es im Februar einen Workshop mit allen Beteiligten geben, eine Machbarkeitsstudie wird auf Basis des Gutachtens von 2017 der renommierten Firma Krieger aus Velbert folgen.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

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