Steher-Maschine von Staubwolke Krefeld ist museumsreif

Der Motor der NSU-Steher-Maschine, Baujahr 1937, knatterte zuletzt 2005 bei einem Rennen rund um die Sparkasse in Krefeld.

Hintendran Erik Zabel, der mehrfache Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France - aber nur für die Show. „Sie fährt jetzt nicht mehr, aber sie könnte aufgearbeitet werden", sagt Herbert Hoenen, Ehrenvorsitzender von Staubwolke Krefeld 1930. Aus diesem Jahr stammt auch ein Bahn-Rennrad der Marke „Dürkopp-Mücke", angelehnt an das Motorrad. Hoenen und Gerd Zeidler, Geschäftsführer von Staubwolke Krefeld, stehen auf dem kleinen Innenhof des Museums Burg Linn.

Sie schauen auf die beiden Zweiräder und strahlen. „Wir sind froh, dass sie nun in Krefeld bleiben", sagt Hoenen. Denn Rennrad und Motorrad hat Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter, nun in den Bestand aufgenommen. Im kommenden Januar sollen sie in einer großen Ausstellung zur Krefelder Sportgeschichte gezeigt werden.„Aus der Sicht des Stadthistorikers ist das Thema Sport kaum bearbeitet worden", sagt Dautermann. In der gut 150-jährigen Sporthistorie Krefelds stünden heute Eishockey, Fußball oder Rudern hoch im Kurs. Doch Boxen und Radsport begeisterten vor über 100 Jahren in der Samt- und Seidenstadt die Massen. Aber die Namen der Helden jener Tage seien inzwischen kaum noch bekannt. „Und das auch im Radsport", fügt Dautermann hinzu. Darunter Staubwolke-Sportler wie Erich Arndt, Jahrgang 1911, der 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin in der Mannschaftsverfolgung an den Start ging. Beim Rennen um die Bronzemedaille unterlag das Team, weil Arndt nicht mehr mithalten konnte. Statt eines Platzes auf dem Podium gab es nur eine Urkunde für Platz vier. „Das wurde mit der Zeit vergessen", so Dautermann. Dieses Schicksal vom Verlust der Popularität teilt Arndt auch mit anderen Größen wie dem Krefelder Lothar Claeßges, der bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio mit dem deutschen Bahn-Vierer die Goldmedaille gewann - oder dem einstigen Staubwolke-Vorsitzende Clemens Großimlinghaus senior, genannt „Mücke", weil er so dünn war. In Krefeld mag er vielen noch von seinem Radsportgeschäft „Mücke" an der Marktstraße in Erinnerung geblieben sein, welches sein Sohn Klemens Großimlinghaus (Deutscher Meister und Vizeweltmeister) weiterführte - beide erfolgreiche Radrennfahrer.Clemens Großimlinghaus senior ist es auch zu verdanken, dass das Steher-Motorrad noch existiert. In der Ecke eines Schuppens überdauerte die Maschine den Zweiten Weltkrieg und die ersten Jahre der alliierten Besatzung. In den vergangenen Jahren diente das Rad als Dekoration, das Motorrad stand in einer Garage. Nachdem der Verein bereits 2019 seine Unterlagen an das Stadtarchiv abgegeben hatte, suchte man nun einen geeigneten Ort für die Räder.

„Wir hatten schon überlegt, es nach Köln oder Dortmund in ein Museum zu geben", sagt Hoenen. Dann ergab sich eher zufällig der Kontakt zum Museum Burg Linn, wo Dautermann an den Vorbereitungen zur Ausstellung arbeitet. „Es ist gut, dass sie in Krefeld, hier im Museum bleiben, wo sie hingehören", freut sich Hoenen, zumal er vis-a-vis der Museumsscheune aufgewachsen ist, wie er mit einem Augenzwinkern anmerkt.In Krefeld zogen solche Räder schon zum Ende des 19. Jahrhundert auf einer Holzbahn im ehemaligen Tiergarten an der Uerdinger Straße (zwischen Kaiser- und Schönwasserstraße) ihre Runden. Diese musste jedoch 1910 abgebaut werden, weil sie marode war. Die Stadt eröffnete dann 1923 im Kaiser-Wilhelm-Park zuerst ein Ascherund und baute dort später eine Holzbahn, die unzählige Zuschauer und Sportler wie von Staubwolke Krefeld anzog. „Der Verein besaß vor dem Krieg vier Maschinen", berichtet Hoenen. Aus normalen Straßenmotorrädern modifizierten Vereinsmitglieder die Steher-Maschinen. „Sie erreichen eine Geschwindigkeit von 100 bis 120 Stundenkilometern", fügt Zeidler hinzu. „Meistens sind es alte Rennfahrer gewesen, die eine Steher-Maschine fuhren", erklärt Hoenen. Zu den Rennen strömten immer Tausende in die Sportstätte an der Westparkstraße, die in den 1950er-Jahren eine Betonpiste erhielt. Zwei Jahrzehnte sprinteten die Radler dort noch, bis die Bahn Anfang der 1970er-Jahre abgerissen wurde. „Damit endete in Krefeld auch eine große Ära des Radsports", sagt Dautermann.

Damit möglichst viele Sparten in der Ausstellung abgedeckt werden, bittet das Museum Burg Linn, entsprechende Fotos, Plakate, Ausrüstungsgegenstände, Sportkleidung, Medaillen, Urkunden oder ähnlich geeignete Zeitdokumente als Leihgaben zur Verfügung zu stellen.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

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